Mazda RX-8 SE173 – Gekauft

Wankelmotoren leiden in Europa (im speziellen in Deutschland) unter dem Image der alten NSU-Prinz III und Ro-80 Modelle, deren Motoren leider aufgrund der damaligen technisch noch nicht ausgereiften Dichtleisten zu erhöhtem Ausfall gekommen sind, was dann mit dem Anfang der Ölkriese 1982 dazu führte, dass die Forschung und Entwicklung der Kreiskolbenmotoren  in Deutschland weitestgehend eingestellt wurden.

Einige Deutsche PKW Hersteller besitzen noch Patente, setzen aber kaum Forschungsleistung für den Wankelmotor als PKW-Antrieb ein. Der Wankel scheint in Deutschland in Vergessenheit geraten zu sein, bis Audi in den A1-e-tron einen 15PS-Wankel als Range-extender verbaute.

Lediglich Mazda bot über Jahrzehnte hinweg Wankelmotoren in Serienfahrzeugen an (Cosmo 110, R1x0, RX1 bis RX7). Aktuell in der Serie des RX-8.

Begeistert hat mich der Aufbau des Renesis-Wankelmotor im RX-8 durch seine einfache Bauweise. Lediglich drei bewegliche Bauteile befinden sich innerhalb des Motors (2 Läufer und 1 Welle). Im Vergleich zu herkömmlichen Hubkolbenmotoren mit Kolben, Pleul, Kurbelwelle, Nockenwellen, Ausgleichswellen, Ventilen, Schlepphebel, Kettentrieben etc…

Vorteile des Wankelmotors:

  • Kompakte Bauweise des Basisaggregats
  • Lediglich 3 innenliegende, drehbare Bauteile
  • Schwingungsarm durch den Lauf der Scheiben um die Kurbelwelle.
  • Gleichbleibende Laufrichtung, kein Richtungswechsel von Bauteilen, daher hohe Drehzahl möglich.
  • Räumliche Trennung von Brennkammer und Auslassbereich. Damit entsteht auch die Möglichkeit, den Wankel für die Verbrennung von Wasserstoff zu nutzen ( Siehe RX-8 RE Hydrogen )

Leider muss man sich die Vorteile des Wankelmotors im Vergleich zum Hubkolbenmotor mit den Nachteilen erkaufen:

  • Durch den Aufbau der verschiedenen Kammern entstehen innerhalb des Motorgehäuses Temperaturdifferenzen ggbf. Spannungen.
  • Die Dichtleisten, die im Vergleich zum HKM die Kolbenringe ersetzen sind bedeutend länger, was bei hohem Verschleißfortschritt Blow-By Verlust bedeutet (Kompressionsabfall)
  • Prinzipbedingt 16% mehr Kraftstoffverbrauch im Vergleich zum HKM
  • Öl wird zur Schmierung eingespritzt
  • Rare Fachkompetenz wenn es um den Motor geht. Werkstätten rätseln sehr viel, Amerikanische Foren helfen gut.

Gekauft

BJ: 2003/11

KM: 58 000 km

Händler: Mazda Vertragshändler

2013-09-27 12.24.13

Zu meinen Erfahrungen bis jetzt kann ich sagen, dass der Spritverbrauch deutlich über dem des CLK liegt, aber im Vergleich zu Fahrzeugen mit ähnlicher Leistung in vergleichbarem Rahmen liegt. Wer den RX-8 Alltagstauglich fährt, wird den Messwerten von z.b. Auto-Motor Sport (15-20l) nicht nahe kommen. Gesundes, vorausschauendes Fahren, wenig Last nach Kaltstarts und das Vermeiden von Kurzstrecken lassen den Verbrauch auf erträgliche Werte (11l bei mir) sinken.

Den gefürchtete Ölverbrauch von bis zu 1l/1000km konnte ich bis jetzt noch nicht feststellen.  Bis jetzt ist spürbar noch kein Tropfen verbraucht worden. Wobei man sich wirklich fragt, ob der Motorendesigner Geld dafür bekommen hat, den Öl Peilstab möglichst unzugänglich zu verstecken? Eine Unart!

Die Optik lässt einen Sportwagen vermuten, das Fahrverhalten bestätigt dies, aber die Leistung enttäuscht leider etwas. 231PS sind von den Ingenieuren definitiv nicht zu hoch gewählt. Der Wankelmotor braucht bauartbedingt das obere drittel der Drahzahlskala, um überhaupt Druck aufbauen zu können. Und hier zeigt sich dann, dass es sich um keinen Rennwagen, sondern um einen ‚Sportlichwagen‘ handelt. Hubraum ist doch schwer zu ersetzen.

Der Wankelmotor fordert im Umgang eine andere Handhabe, als man es von HKMs gewohnt ist. Niedrige Drehzahlen sind zwar im Teillastbetrieb weiterhin anzustreben, aber unter Last sinkt die Effizienz des Wankelmotor im niedrigen Drehzahlenbereich erheblich ab, was sich trotz niedriger Drehzahl in einem stark erhöhten Verbrauch wiederspiegelt.

Bsp: Der Betrieb des Fahrzeugs innerorts im 6. Gang ist möglich, aber die Leistungsausbeute des Motors ist dabei so gering, dass der Volllastanteil auf 80-100% ansteigt. Der Spritverbrauch steigt daher in enorme Höhen an.  Hier empfiehlt es sich, eher im 3. oder 4. Gang zu fahren, und nur bei Absehbarer Fahrstrecke und entsprechendem Streckenprofil höhere Gänge zu wählen.

Auch das zu frühe hochschalten schon bei niedrigen Drehzahlen mag zwar im ersten Moment sinnvoll erscheinen, aber der Wankelmotor liefert auch hier eine zu schlechte Leistungsausbeute. Im Allgemeinen wird es empfohlen, den Lastbetrieb in der Nähe des höchsten Drehmoments zu halten und im Teillastbetrieb Umdrehungen von ca 3000-4000 RPM an zu peilen. Im Schubbetrieb zur Reduzierung der Schleppverluste natürlich weiterhin im größten möglichen Gang fahren, sofern gewünscht.

Erhöhte Aufmerksamkeit gillt auch der Handbremse des RX-8. Sie befindet sich sehr  Dominant in der Fahrgastzelle… nicht ohne Grund! Der Wankelmotor bietet im Vergleich zu normalen Motoren einen geringeren Innenwiederstand, was zur Folge hat, dass der Wagen bei eingelegtem 1.Gang schon bei geringen Abschüssigkeiten der Standfläche anfängt sich selbstständig zu machen. Die Handbremse ist im RX-8 keine Zierde!

Die gegenläufig öffnenden Türen sind in Ihrer Funktion nicht zu übertreffen. Wo kann man schon ein zweitüriges Coupé fahren, ohne, dass Mitfahrer Probleme mit dem Einstieg haben? Einfach prima und immer wieder ein Blickfänger 🙂

Wer den RX-8 im Alltag und auf längeren Strecken fahren möchte, wird um die Lederausstattung wohl nicht umher kommen. Die (leider nur in der Lederausstattung) verbaute Lordosenstütze macht den Wagen zum rückenschonenden langstrecken Begleiter.

Die Verarbeitungsqualität im Innenraum ist prima. Die Materialwahl hingegen könnte definitiv hochwertiger sein.  Aber diese Kombination muss leider auch bei anderen Herstellern in anderen Preiskategorien gesucht werden 🙁

Der Kofferraum ist mit 290l kein Platzwunder, aber meiner Meinung nach vollkommen ausreichend, wenn man weiterhin die Rücksitze als Ausweichsfläche nutzen kann. Eine Durchladeklappe besitzt der Wagen, aber nur für ca. 2 Paar Schi. Die Lehnen im Fond sind leider nicht umklappbar.

Zu den Platzverhältnissen im Innenraum lässt sich selbst bei einer Körpergröße von 1,95m nichts schlechtes Berichten. Hingegen sollte man beachten, dass die Kopffreiheit unter einem verbauten Schiebedach leidet. Deshalb fiel für mich die Wahl auf ein Fahrzeug ohne Schub/Hub-Dach. Der Platz im Fond ist mit dem CLK vergleichbar, hingegen ist die Kopffreiheit angenehmer.



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