On-Board-Diagnose selbst durchführen

Aus dem Bedürfnis heraus, 1988 geregelte Abgasvorschriften in Californien einzuhalten, wurde die On board Diagnose (OBD) als Abgasselbstüberwachungssystem in Fahrzeugen entwickelt.

In Europa wurde der OBD-Standard zur Selbstüberwachung für Benzin-Fahrzeuge erst 2001 verpflichtend und für Dieselfahrzeuge ab 2004. Das OBD-System überwacht während des kompletten Fahrzyklus abgasrelevante Systeme, speichert Fehler ab und lässt sich über eine genormte Schnittstelle auslesen und zurücksetzen. Fehler, die zu einer erheblichen Erhöhung der Abgasemmisionen führen, werden durch das Aufleuchten der ‚Malfunction Indikator Lamp‘ – MIL) dem Fahrer mitgeteilt. Zu den durch OBD überwachten Sytemen gehören:

  • Katalysatorfunktion
  • Funktion der Lambdasonden
  • Verbrennungsaussetzer
  • Abgasrückführung
  • Sekundärluftsystem
  • Kraftstoffentlüftungssystem
  • Stromkreise abgasrelevanter Systeme
Malfunction Indicator Lamp
Malfunction Indicator Lamp

Im Idealfall bekommt der Fahrer die MIL nur beim Fahrzeug-Selbsttest zu Gesicht, wenn er den Schlüssel im Zündschloss auf Position 1 (0-1-2-Anlasser) stellt. Dabei muss u.a. die MIL aufleuchten. Hat sich allerdings ein Fehler eingeschlichen und die MIL leuchtet auch während der Fahrt dauerhaft auf, ist es mithilfe eines OBD-Diagnosegeräts möglich, genauere Inormationen über den vorliegenden Defekt zu bekommen. Dann gillt es den Fehler zu lokalisieren, zu beurteilen und ggbf. zu beheben. Dazu halten fast alle Werkstätten Diagnosegeräte parat, um über die OBD-Schnittstelle ein Fehlerprotokoll zu erstellen.  Preise für das Auslesen der Fehlercodes bzw. das Zurücksetzen der MIL variieren von ‚Serviceleistung‘ bis ~50€.

Nun ist es allerdings nicht immer so, dass das Aufleuchten der MIL gleich bedeutet, dass ein gravierender Defekt am Motormanagement bzw. am Abgassystem vorliegt. Ein panisches vorfahren bei der Werkstatt ist also nicht immger gleich nötig. Mir selbst ist es schon öfter passiert, dass z.b. nach Arbeiten am Luftfilterkasten ein Kabel des Luftmengenmessers nicht mehr richtig saß oder während einer sog. Kreisbahnfahrt bei einem Fahrsicherheitstraining unplausible Werte von einem Raddrehzahlsensor oder dem Getriebe gemessen wurden. In diesen Fällen ist es einfach nur ärgerlich, dass die MIL leuchtet, aber keinesfalls bedenklich.

Zu diesem Zweck habe ich mir einen Bluetooth-Diagnosescanner zugelegt, mit dessen Hilfe ich gesetzte Fehler auslesen und ggbf. löschen kann. Er liegt immer im Handschuhfach parat und hat mir in der Vergangenheit schon einige Fahrten zur Werkstatt erspart.

Ich nutze den Bluetooth-Scanner mit einem ‚Acer Iconia A500‘ Android-Tablet in Verbindung mit der App Torque Pro. Zusätzlich zum Auslesen der Fehlercodes und dem Löschen selbiger lassen sich diverse Sensoren ‚live‘ auslesen und im Dashboard mit verschiedenen Graphen aufbereiten. Die Individualisierungsmöglichkeiten der App sind enorm. So lassen sich z.b. die Geschwindigkeitswerte mit dem Momentanverbrauch korrelieren. Auch das GPS des Tablets kann genutzt werden, um z.b. die gefahrene Geschwindigkeit in Verbindung mit der gefahrenen Strecke in einer .kml-Datei mit Google Earth zu visualisieren.

Manche Fahrzeuge stellen nur die vom OBD-Standard geforderten Sensoren zum Auslesen bereit, andere Fahrzeuge sind etwas mitteilungsbedürftiger. Hier alle Sensoren, die die App auf Anhieb vom CLK w209 200k erkannt hatte:

  • Kühlmitteltemperatur
  • Geschwindigkeit
  • Gaspedalstellung
  • Drosselklappenstellung
  • Saugrohrdruck
  • Systemspannung (am OBD-Port)
  • Motordrehzahl
  • Temperatur Ansaugluft
  • Durchflussmenge Luftmengenmesser
  • Kraftstoffdurchfluss
  • Zündzeitpunktverstellung
  • O2-Sensor Bank1 Sensor2 (V)
  • O2 Sensor 1 Breitbandspektrum Spannung (V)
  • O2 Sensor 1 Verhältnis
  • Motorlast (errechnet)
  • Liter/100km (errechnet)
  • Luft/Kraftstoff-Verhältnis(gemessen)
  • Gefahrene Distanz mit aktiver MIL

Oftmals kommt in Foren die Frage auf, ob man (über) OBD ‚codieren‘ oder ‚programmieren‘ kann. Hier muss man jetzt anfangen, verschiedene Dinge zu unterscheiden. OBD nennt sich der Oberbegriff bzw. Standard, der das Regelwerk für die Onboarddiagnose definiert. OBD-II nennt sich die abgasrelevante Schnittstelle, die die Fehlercodes herstellerunabhängig zur Verfügung stellt. OBD-II an sich kann nur ausgelesen und zurückgesetzt werden.

Fahrzeughersteller hatten unabhängig vom gesetzlich vorgeschriebenen OBD-Standard schon zuvor die Idee, zu Diagnosezwecken den Werkstätten properitäte Schnittstellen zur Verfüfung zu stellen, um Steuergeräte auszulesen oder zu konfigurieren. Mit dem flächendeckenden Einzug von OBD haben die Fahrzeughersteller ihre Schnittstellen an den OBD-Port mit angehängt. Damit fielen bei den meißten Fahrzeugen die properitären Schnittstellen weg. Übrig blieb nur noch eine Schnittstelle, für die allgemeine OBD-Diagnose und die porperitäre Markendiagnose. Die herstellerspezifischen Schnisstellen bzw. Protokolle sind mit den ’normalen‘ OBD-Geräten nicht ansteuerbar. Dafür halten die einzelnen Hersteller eigene Geräte bereit, wie z.b. Mercedes mit der ‚Xentry-Star Diagnose‘ oder Volkswagen mit der ‚VCDS‘. Mit diesen Geräten sind letztlich detailiertere Diagnosen oder Eingriffe in Motormanagement oder das SAM (Signalerfassungs- und Ansteuermodul) möglich.

3 Gedanken zu „On-Board-Diagnose selbst durchführen

  1. Danke für deinen Artikel. Ich habe ein Problem mit meinen Jaguar XF. Und zwar leuchtet bei mir bei der Fahrt ab und zu beim Beschleunigen die MKL auf. Darauf bin ich nun schon öfters in Werkstätten gefahren jedoch konnten diese mir nie einen Fehlercode oder die Ursache nennen.
    Könne ich mit so einem Diagnoseadapter selber den Fehler auslesen?
    Danke

    1. Hi, danke für dein Feedback. Wenn deine Werkstatt den Fehlercode nicht auslesen kann vermute ich, dass du den Wagen abgestellt hast bevor die Werkstatt die Diagnose gefahren hat. Es gibt Fehlercodes die nicht ’so wichtig‘ sind, dass sie permanent in der ECU abgelegt werden. Ein Neustart des Steuergerätes könnte den ‚flüchtigen‘ Fehler verwerfen. Mein Tipp wäre zu warten bis der Fehler auftritt und den Wagen dann direkt zu einer Werkstatt zu fahren ohne den Motor ab zu stellen bevor das Steuergerät ausgelesen ist. Wenn du dazu nicht die Möglichkeit hast, weil deine Werkstatt nur Termine vergibt (war bei mir auch oftmals so) dann könnte sich die Investition in einen eigenen OBD-Dongle lohnen. Viele Grüße und gutes Gelingen 🙂

  2. Hi super Bericht über die Allgemeine On-Board-Diagnose. Es ist nicht verkehrt ein OBD2 Gerät in Auto mitzuführen, falls eine Warnleuchte angeht oder das Auto probleme macht. Kurz das OBD2 Gerät an die OBD2-Schnittstelle des Fahrzeugs angeklemmt und schon wird der eventuelle Fehler ausgelesen. Das Geld was die Werkstatt berechnet nur für das auslesen, beläuft sich auf ca. 30-40 Euro. Man hat das Geld ziehmlich schnell wieder draußen. Gute Geräte nur zum Auslesen gibt es schon ab 30 Euro.

    Gruß Christian

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