Owncloud – Selfhosting

Dropbox hat mir als Synchronisierungssoftware immer gute Arbeit geleistet, bis ich schließlich mein kostenloses Kontingent von 25GB aufgebraucht hatte und vor der Entscheidung stand, mir kostenpflichtig mehr Speicherplatz zu kaufen, oder mir eine Alternative zu suchen.

Über meine Erfahrungen der letzten Monate mit der wohl bekanntesten Alternative zu Dropbox „Owncloud“ will ich Euch hier berichten, um anderen Interessenten ein paar Argumente an die Hand zu geben, evtl. auch zu Owncloud zu wechseln oder nicht.

 

Owncloud auf dem Raspberry Pi

 

Physical Computing ist mit der Entwicklung der Arduinos als Developerboard oder der Raspberry Pi Platinen immer näher in den Bereich der Hobbybastler vorgedrungen und bildet inzwischen eine enorm aktive Community über alle möglichen Interessens- und Anwendungsbereiche. Von der einfachen Signalauswertung bis hin zur vollwertigen Spielekonsole mit Emulator für Arcade Games ist alles in vertretbarem Aufwand und geringem finanziellen Aufwand für jeden möglich.

Meine ersten Schritte mit der eigenen Owncloud habe ich mit einem Raspberry Pi und einem „wheezy“-Image unternommen um im Kontext dieses kleinen Linux Systems eine Owncloud-Instanz energieeffizient daheim betreiben zu können. Hier kann der Raspberry Pi im Dauerbetrieb ordentlich punkten. Eine Leistungsaufnahme im Mittel von 3.0W ergibt im Schnitt eine Stromrechnung <8.00€ im Jahr zzgl. der Peripheriegeräte (ext.Festplatten etc.). Phänomenal!

Die Leistung der Owncloud in Verbindung mit dem Raspberry Pi war leider mehr als ernüchternd. Gähnend lange Antwortzeiten, extrem langsame Synchronisierungsaktivität.

Im Fazit: unbrauchbar!

 

Owncloud auf einem Netbook

Den nächsten Versuch startete ich mit einem alten Windows 7 Netbook als Basis und darauf aufbauend XAMPP als Serverwerkzeug.

Hier war für mich sofort eine eine deutliche Leistungssteigerung spürbar. Das Windows Sync-Tool arbeitete seine Warteliste ordentlich schnell ab und auch die Weboberfläche reagierte bedeutend schneller. Zwar kann man die Antwortzeiten nicht mit denen einer ordentlich gehosteten Website vergleichen, aber wer sich nur zur Konfiguration in der Weboberfläche auf hält, den wird das kaum stören.

Syncing-Clients stehen für nahezu alle Systeme zur Verfügung und sind auch in der Bedienung recht einfach zu handhaben. Die Owncloud lässt sich inzwischen über Module erweitern, was je nach Anwendungsfall den Mehrwert der Owncloud enorm steigert. Ich habe mir einen News-RSS Reader eingebunden, der mir automatisiert neue Artikel favorisierter Webseiten automatisiert sammelt und mir als Plain-Text zur Ansicht gibt. Ein enormer Komfortgewinn! Hier müssen aber für die mobilen Clients eigenständige Programme (gekauft) werden. Der OC-Client alleine deckt nur die Dateisynchronisierung ab.

News RSS-Reader

Eigene Kontakte lassen sich via Card-DAV und Termine via Cal-DAV auf allen Endgeräte Synchronisieren. Wer hierauf Wert legt, der kann nicht nur seine Dateien sondern auch seine Privaten Kontakte und Termininformationen selbst hosten und direkt in sein Smartphone einbinden.

Leider hören hier aber auch schon die Annehmlichkeiten meiner selbst gehosteten Owncloud auf.

Große Datenmengen

Inzwischen fasst mein eigener Owncloud Ordner knapp 80GB (120GB gesamt) an diversen Dateiformaten und hier scheint nicht nur das Datenbankformat ’sqlite‘, an die Grenzen zu kommen. Auch die Alternative  ‚Mysql-Datenbank‘ als Basis bringt inzwischen keinen Performancevorteil mehr. Hier hat die Owncloud massive Probleme auf Änderungen im Ordner des Clients zu reagieren. Zum Teil muss das Syncing-Tool Minuten lang nach Änderungen im Lokalen Ordner suchen, bis schließlich der Synchronisierungsprozess gestartet wird.

Write-Lock

Häufiger Anwendungsfall bei mir ist es, dass ich LaTeX Dateien in kurzer zeitlicher Abfolge Texe oder C# Programme compiliere. Leider liegt hier ein großer Hund begraben, der die Benutzung von OC für solche Fälle fast unmöglich macht. Wird nämlich eine Datei auf den Server Synchronisiert, ist diese für diese Zeit für Änderungen gesperrt und kann damit natürlich nicht ersetzt werden, was andauernd zu Fehlermeldungen in Visual Studio oder LaTeX führt. Damit kann kaum produktive Arbeit mit Dateien im OC-Ordner stattfinden.

Folder Rename

Owncloud scheint keine ‚Umbenennen‘ Funktion von Ordnern zu kennen. Benenne ich also einen Ordner im Explorer um, wird der komplette Inhalt des umbenannten Ordners neu auf den Server geladen. Je nach Größe legt man sich damit für die nächsten Stunden oder Tage die Owncloud lahm. Unecessary Meme

Ordner umbenennen… eine schlechte Idee :/

Syncing Errors

Kaum habe ich so viele Fehlermeldungen gesehen, wie bei Owncloud oder den Syncing-Tools selbst. Nicht immer ist ein eindeutiger Fehler aus zu machen. Oftmals kuriert sich das System selbst. Dennoch ist die Hilfe der englischsprachigen Foren nicht unverzichtbar. Hier kann der Administrator in Vollzeit versuchen alle Fehler zu beheben. Manchmal sind es ’nur‘ Sonderzeichen in Dateinamen, die die Synchronisation stoppen. Aber auch Bugs, die schon seit Generationen von Versionen verschleppt worden sind oder erneut auftauchen, halten den Betrieb auf, bis eine Lösung gefunden wurde.

Weiteres Kuriosum bei mir: Doppelte Ordner, die nur in der Weboberfläche auftauchen („FLAC2 — 3,6GB“ und „FLAC2 — 0kb“) Eine Eigenart, die sich angeblich durch eine Reindexierung beheben lassen soll… leider nicht bei mir. Inzwischen geistern bei mir nahezu alle Ordner im Hauptverzeichnis doppelt umher… Der 0kb Ordner ist kein Duplikat im eigentlichen Sinne, eher ein fehlerhafter Verweis, was auffällt, wenn man den 0kb-Ordner löscht… ist der eigentliche Ordner weg. Ärgerlich, denn hier merkt man schnell, dass Syncronisation kein Backup ist. Unecessary Meme

flac
Doppelte bzw. fehlerhafte Verweise

Cronjobs

Jobs werden normalerweise dadurch getriggert, dass ein User im OC Web-Panel navigiert. Wer aber Module wie z.b. den News-Reader verwendet, möchte nicht mehrere Minuten warten, bis alle Webseiten abgegrast wurden. Dann ist die Einrichtung von Cronjobs über Windows unverzichtbar. Während ein Cronjob (CJ) läuft, wird eine Datei namens „cron.lock“ im Data-Verzeichnis erstellt, die aber bei einem fehlerhaften CJ-Lauf nicht mehr gelöscht wird, was natürlich einen erneuten Lauf verhindert. Hier muss das System regelmäßig kuriert werden. Eine äußerst frustrierende Arbeit.

Updates

Major-Releases werden ‚einfach‘ im Explorer über das bestehende Verzeichnis kopiert (ersetzt). Normale Sub-Versionen können ‚bequem‘ über die Weboberfläche aktualisiert werden. In beiden Fällen hatte ich in der Vergangenheit Glück und Unglück. Eigenltich lasse ich genau deshalb Beta-Versionen aus um auf der sicheren Seite zu stehen. Hier scheint das aber nur selten einen Unterschied zu machen. Mal muss der Sync-Client neu eingerichtet werden, mal der Hinweis gesucht werden, welche Dateiem im hundertsten Unterordner nun schon wieder gelöscht werden muss, damit der Client wieder arbeiten kann.

Beliebt ist es auch, dass die Syncing Clients für die mobilen Geräte erst nach einiger Zeit kompatibel zu der neuen OC-Version sind. Damit habe ich in der Vergangenheit schon häufig den Ast abgesägt, auf dem ich gesessen bin. Mobile Verwendung auf dem Smartphone war dann für mehrere Tage oder Wochen nicht möglich.

Stromverbrauch

Das Netbook hat im zugeklappten Zustand eine Leistungsaufnahme von ca. 10W. Im Jahr beläuft sich der Mehraufwand für Strom also auf ca. 30€.

 

Fazit 

Hier scheinen sich niemand um einen Clean-Out der bestehenden Fehler zu kümmern. Diverse Probleme, denen ich bis jetzt begegnet bin, existieren schon seit einigen Versionen und wurden immer noch nicht zur Gänze behoben. Wer Owncloud für sich selbst just-for-funn hostet, dem wird ein äußerst mächtiges Werkzeug an die Hand gegeben, das aber definitiv einen enormen Pflegeaufwand benötigt um ordentlich zu laufen. In Geduld muss sich üben, wer Mobile Clients verwendet. Im Zuge des Apple IOS 8 Updates sind einige funktionen in den Apps (noch) nicht verwendbar und warten knapp einen Monat nach Release immer noch auf Nachbesserung seitens der Entwickler. Owncloud ist definitiv kein Plug&Play System. Wer wirklich der Herr seiner eigenen Daten will und eine Owncloud betreibt, muss sich dessen bewusst sein, dass das ohne das entsprechende Know-How und vor allem eine gehörige Menge an zeitlichen Aufwand kaum ein stabiles System am Laufen halten kann.

Für mich ist damit das Projekt Owncloud abgeschlossen und ich werde mich weiter auf die Suche nach einer Alternative der Alternative machen. Es wird vermutlich keine All-In-One Lösung sein. Inzwischen bin ich  aber auch bereit, Geld für das Hosting solcher Dienste aus zu geben.

1 Gedanke zu „Owncloud – Selfhosting

  1. Genau dieses Verhalten habe ich von Owncloud auch beobachtet. Im großen und ganzen ist das ganze Produkt im Produktiven einsatz nicht nutzbar!

    Als brauchbare Alternative möchte ich an dieser Stelle jedem Leser Seafile empfehlen. Hier funktioniert die Kernfunktion des Systems (nämlich die Dateisynchronisation sehr gut), abstriche muss man aber im Umfang machen. Hier ist kein Kontakt und Kalender Synchronisation enthalten weshalb ein Kombipacket aus Baikal + Seafile für mich im Produktiven einsatz unschlagbar ist.

    Gruß Hans

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