Prag – Städtereise

Von Prag war mir als Stadt bis dato kaum mehr bekannt als dass sie als tschechische Hauptstadt leider den zweifelhaften Ruf erlangt hat in den Statistiken als Nummer eins für Autodiebstähle aufgeführt zu werden. Sehr schade, aber Grund genug um sich eines besseren belehren zu lassen.

Beim Grenzübertritt nach Tschechien fällt erst einmal auf, dass die Instandhaltung der tschechischen Autobahnen wohl eindeutig besser funktioniert, als in Deutschland. Hoffen wir einmal, dass die in Deutschland diskutierte Maut ähnliche Folgen haben wird. Die tschechische Vignette kostet 12€ und kann bereits in grenznahen Tankstellen in Deutschland gekauft werden.

In Prag selbst nimmt die Straßenqualität leider rapide ab. Hier wechseln sich Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster regelmäßig ab. Wohl einer der Gründe, warum Prag eine vergleichsweise geringe Individualverkehrsdichte aufweist. Es fährt sich aber abgesehen von den schlechten Straßen in Prag erstklassig mit dem Auto. Ich habe die anderen Verkehrsteilnehmer als defensiv und  sehr unkompliziert erfahren dürfen.

Als Besitzer eines Autogasautos habe ich mich im Vorhinein schon über die dortige LPG Infrastruktur informiert und dabei festgestellt, dass der dort übliche LPG-Adapterstandard auch dem im restlichen Auslang üblichen ‚DISH‘ Adapter entspricht. Für mich das eindeutig überlegenere Anschlusssystem im Vergleich zu dem in Deutschland vorzufindenden ACME-Schraubsystem. So einfach hätten wir es auch haben können…. schade! Das LPG-Tankstellennetz ist etwas dichter als in Deutschland. Entgegen der Behauptungen auf tschechischen Touristen Webseiten herrscht dort, wie bei uns Selbstbedienung an den LPG Säulen. Preisliche Unterschiede zu den deutschen Kraftstoffpreisen konnte ich keine feststellen.

Muss man sich in der Prager Innenstadt um einen Parkplatz bemühen, hat man meist schlechte Karten. Entweder man ist Anwohner, hat also einen Parkausweis, oder man muss sich um einen der wenigen Parkschein-Plätze bemühen. Kein angenehmes Unterfangen, denn diese sind mehr als rar. Gut, dass wir in unserem Hotel einen privaten, abgeschlossenen Parkbereich (6€/Tag) hatten.

Wer nicht der Willkür der tschechischen Wechselstuben mit stark unterschiedlichen Wechselkursen oder Mindermengenzuschlägen ausgesetzt sein will, der kann bei der Postbank eine Sparcard beantragen. Eine Visa plus Karte, bei der bis zu 10 Auslandsabhebungen kostenlos sind. Wir konnten somit ohne Zuschläge zum Tagesaktuellen Wechselkurs Geld abheben.

Wir hätten Prag ohne Google Maps und GPS nicht so selbstsicher erkundet. Prag als Tourist abseits der üblichen Pfade zu erkunden erfordert entweder einen sehr guten Orientierungssinn oder eine Navigationsunterstützung. Unsere Mobilnetzbetreiber boten jeweils zu Preisen zwischen 5€ und 10€ Auslands-Datentarife für unsere Smartphones an. Mit einem Volumen von ~60MB/Tag konnten wir problemlos Navigation und Übersetzungsdienste nutzen. Im Hotel war das WLAN natürlich inklusive.

Panorama Prag
Panorama Prag

Tag 1

Angekommen waren wir nach 4,5 stündiger Fahrt gegen 10 Uhr. Sogleich haben wir uns auf den Weg gemacht die Innenstadt zu Fuß zu erkunden, welche wir nach ca. 30 Minuten vom Hotel aus erreicht hatten.

Kein angenehmes Unterfangen, sich in Prag 1 um den Altstädter Ring zu bewegen. Massen an Touristen schleusen sich durch die engen Gassen. Überteuerte Souveniershops en mase.

Mittags hatten wir uns etwas abseits der touristischen Bereiche einen Platz zum Essen gesucht – nicht weit genug abseits, wie wir später feststellen mussten. Mäßiges essen, für deutsche Verhältnisse zwar günstig, dafür aber wettgemacht durch überteuerte Beilagen und eine Pauschale für Gewürze und Soßen, die mit am Tisch standen. In den Reiseführern wird das zwar als ‚üblich‘ beschrieben, aber im laufenden Urlaub konnten wir das Verhalten in keinem anderen Lokal finden. Es scheint sich also um eine übliche Masche für die touristisch überlaufenen Bereiche von Prag zu handeln.

Um dem Trubel etwas zu entkommen, haben wir beim Heimweg zum Hotel einen Umweg über die Vitkov-Grünanlage geschlagen. Eine schönes Waldstück inmitten von Prag, das von vielen Bewohnern als Sportpark zum Laufen genutzt wird. In Prag mangelt es an keiner Stelle an kleineren Lokalen, Pubs oder Restaurants. Zwar sind abseits der touristisch überlaufenen Bereiche nur noch tschechische Speisekarten zu finden, aber durch die nahe Verwandschaft einiger Wörter zum Deutschen ist das kein Problem. Englisch versteht jeder, wobei deutsch sicher bei vielen Leuten auch kein Problem dar stellen würde. Wir wurden mit prima Essen zu sehr günstigen Preisen verköstigt (~16€ für 2 Personen Hauptgerichte, jeweils 2-3 Getränke inkl. 10% Trinkgeld). Unentschlossene finden auf der Website Tripadvisor genug Kundenmeinungen zu den umliegenden Restaurants.

Tag 2

Nachdem wir vom vielen Laufen am vorherigen Tag noch immer platt waren, haben wir uns für 110cK (~4€) ein Tagesticket für den Nahverkehr gekauft.

Bus, Tram, U-Bahn sind in ganz Prag für 24 Stunden benutzbar, ohne Zohneneinschränkungen o.ä. Das Netz ist flächendeckend und Wartezeiten an den Stationen durch die hohe Dichte an Transportgeräten nahezu nicht existent.  Ein angenehmes System, das die geringe PKW-Verkehrsdichte in Prag erklärt.

IMG_20140919_091704_hdr
Prager U-Bahn

Wir hatten uns im Vorhinein bereits einige Läden, verstreut in Prag, herausgesucht, die wir nach und nach aufgesucht haben. In Prag 4 schließlich sind wir durch Zufall auf ein sehr modernes, scheinbar neues Einkaufszentrum gestoßen, das im Gegensatz zum in der Innenstadt befindlichen Palladium sehr aufgeräumt und nahezu leer war. Generell fällt in Prag auf, dass es nicht, wie in Deutschland leider üblich, pseudo-Rabattschlachten auf UVP-Preise gibt. Keine aufdringliche Außenwerbung. Die Preise sind klar gekennzeichnet, ohne nervende ‚SALE‘ Schilder an jeder Ecke. So angenehm kann ein Einkaufserlebnis sein.

Nordwestlich der Innenstadt befindet sich der Prager Zoo. Ein kleines aber sehr schön angelegtes Areal, das sich durch ein Felsmassiv getrennt in einen oberen und unteren Bereich trennt. Ist man zu faul die Höhenmeter zu Fuß zu überwinden, steht eine Seilbahn zur Verfügung. Ein schöner Zoo um 3-4 Stunden entspannt zu verbringen.

Prager Zoo
Prager Zoo

Landestypische Lebensmittel gibt es einige, jedoch sind viele davon auch in Deutschland kultiviert und damit als Mitbringsel weniger interessant. Ein paar Kleinigkeiten haben wir uns allerdings doch mitgenommen. Auf der Einkaufsliste standen Senf, Eintöpfe, diverse Biersorten, Becherovka, Slivovitz und  ‚Kofola‘ – Eine Art tschechischer Softdrink, der in der Sowjetzeit der Versuch war, die Amerikanische Cola zu imitieren, aber nach dem Anfang des freien Handels mit westlichen Artikeln etwas aus der Mode gekommen war. Erst jetzt wird sie wieder großflächiger als landestypisches Getränk beworben. Etwas herber im Geschmack mit einer Kardamom-Duftnote. Mit 1/3 des Zuckers wirklich eine leckere Alternative zur üblichen Cola.

Witzigerweie entsprachen knapp 1/10 aller Artikel des Einkaufsladens den Artikeln, wie wir sie in Deutschland auch zu kaufen bekommen. Bei einigen anderen, ist lediglich der Schriftzug abgeändert. Verhungern muss hier also auch ohne tschechische Sprachkenntnisse niemand.

Tag 3

Der Aquapalace „Mitteleuropas größte Wasserwelt“, etwas außerhalb (südlich) von Prag war am dritten Tag eine willkommene Abwechslung zum beständigen Laufen durch die Innenstadt. Knapp drei Stunden sind nicht zu wenig, um sich in allen Arealen der Wasserlandschaft zur Genüge zu beschäftigen. Fast 10 Rutschen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade für jedem, ob jung oder alt ein Prima Erlebnis!

 

Tag 4

Knapp 2 Stunden, vor unserer Abreise zurück nach Deutschland haben wir noch im technischen Nationalmuseum verbracht. Über mehrere Etagen verteilt bietet das Museum hier Militär und Kulturexponate zur Schau. Kurzweil ist garantiert. Wer sich für Agrartechnik interessiert, der findet direkt neben dem technischen Nationalmuseum das Museum of Agriculture.

Den Habitus aller Personen, denen wir in Tschechien begegnet sind, habe ich als äußerst angenehm empfunden. Ruhig und zurückhaltend – selbst die Souvenierverkäufer in der Innenstadt. Wohl mit ein Grund für das erstklassige Sicherheitsempfinden in der kompletten Stadt.

Prag bietet für einen Wochenendtripp alles, was das Herz begehrt. Die Angebotsvielfalt ist enorm und bietet für jeden Geschmack genügend Möglichkeiten sich aus zu leben. Meiner Meinung nach wird die Innenstadt mit den ‚typischen Prager Sehenswürdigkeiten, wie der Karlsbrücke oder der Altstadt‘ zu sehr überschätzt und ist touristisch so sehr überlaufen, dass selbst interessierte Menschen hier nur mit sehr viel Mühe genügend Aufmerksamkeit erübrigen können, um sich hinlänglich zu informieren. Viel interessanter sind meiner Meinung nach die Stadtteile außerhalb von Prag 1. Hier stehen typische sowjetische Gebäude neben Designer Häusern oder hochmodernen Einkaufsmeilen. Die tschechischen Esskultur sollte auf jeden Fall in größtmöglichem Umfang gefrönt werden. Deftig, würzig, viel und gut! Die tschechische Gastronomie lebt von der erstklassigen Hausmannskost. Verständnis für Vegetarismus sollte sich beim Kellner also keiner erhoffen.

Tschechien wird für mich gerne wieder Ausflugsziel sein. Zum Teil um bekanntes erneut zu erleben, zum anderen um mehr vom Umland zu erfahren.

1 Gedanke zu „Prag – Städtereise

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*