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PV – Anlage Lessons Learned

Ich glaube ich habe mich ziemlich intensiv im Vorhinein mit dem Thema PV-Anlage auseinandergesetzt und kann inzwischen, nachdem die Anlage die ersten 1000kWh erzeugt hat ein kleines Fazit dazu schreiben was ich bis jetzt gelernt habe und was ich Leuten auf den Weg geben möchte, die auch gerade dabei sind sich zu überlegen, ob eine PV Anlage eine gute Sache ist.

Die Dimensionierung einer Anlage

Natürlich hat man kein unbegrenztes Budget für so ein Projekt und die Beweggründe sich eine PV Anlage zu installieren sind vielfältig -von Kapitalertrag bis hin zum grünen Gewissen oder einem hohen Grad der Autarkie. Alles in allem vertrete ich den Standpunkt „Dach vollmachen“, wenn möglich.

Eine Überdimensionierung schadet meiner Meinung nach nicht. Notfalls fließt der Strom über die Einspeisevergütung aus dem Haus raus und die Allgemeinheit profitiert von grünem Strom aber im besten Fall (für Euch und uns alle) werden in den nächsten Jahren mehr fossile Verbraucher durch elektrische ersetzt, wie eine Wärmepumpe oder ein oder mehrere Elektroautos und dann ist man über jedes Modul froh. Selbst bei kleineren Anlagen, die lediglich Tagsüber den Bedarf einer Waschmaschine decken sollen ist man froh, wenn das ganze auch möglich ist, wenn es bewölkt ist und die Waschmaschine dennoch zu 100% mit Solarstrom läuft.

Eine PV-Anlage selber bauen?

Mich hat es wahnsinnig genervt nicht einfach die Anlage selber bauen zu können und einen konzessionierten Elektriker nur mit der Anmeldung und dem Anschluss beauftragen zu können. Es ist kein Hexenwerk, wenn man sich etwas eingelesen hat und Module gibt es auf dem Gebrauchtmarkt zuhauf und zwar zu richtig guten Preisen aber ich habe keinen Elektriker gefunden, der sich auf so etwas eingelassen hat. Das hätte den Preis für die Anlage sicher fast halbiert, wenn ich mich aus dem Pool von Secondsol hätte bedienen können.

Falls Euch das Thema DIY PV interessiert, hört Euch im Photovoltaik Forum etwas um, ob ihr in eurer Nähe einen Elektriker findet, der euch bei dem DIY Vorhaben unterstützt. Nur weil ich niemanden in der Nähe gefunden habe heißt das nicht, dass es nicht unmöglich ist.

Welche Technik?

Man kann eine Wissenschaft aus dem Thema machen und sich lange und viel einlesen aber am Ende ist es (zumindest aktuell) eine Verfügbarkeitsfrage, was der Solarteur an Geräten anbietet und womit er arbeitet. Es bringt nichts diesen einen speziellen Zelltypen haben zu wollen aber man findet keinen Installateur, der einem diese Technik verbauen will oder kann. So wie ich es mitbekommen habe arbeiten die Firmen immer gerne mit ihren Haus-und-Hof Modellen, seien es die Module, Wechselrichter oder Speicher. Klar, kann man nach seinen Wunschgeräten fragen aber die Wahrscheinlichkeit genau das zu bekommen was man möchte halte ich für gering -gerade bei der aktuellen Materialknappheit.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering sein dürfte wirklich „unpassende“ Module verbaut zu bekommen würde ich empfehlen sich in das Thema, alleine schon aus Verständnisgründen einzulesen. Es ist nützlich um verschiedene Angebote miteinander vergleichen zu können und auch mit den Solarteuren „reden“ zu können. Bei den Modulen denke ich gibt es die geringste Wahrscheinlichkeit „falsche“ Module aufgeschwatzt zu bekommen. Hat man optische Ansprüche an die Module zahlt man lediglich oftmals etwas mehr und hat zusätzlich eine leicht verringerte Leistungsausbeute.

Bei den Wechselrichtern hingegen kann man sich überlegen gleich ein Gerät zu verbauen, das auch in der Lage ist irgendwann einen Batteriespeicher zu versorgen. Auch wenn es zumindest im Moment vermutlich an der Verfügbarkeit scheitern wird, kann man mit einem kleinen Aufpreis später einfach den Batteriespeicher anhängen, ohne den Wechselrichter tauschen zu müssen. Ich hätte das gerne gemacht aber entsprechende Modelle waren nicht lieferbar.

Batteriespeicher Ja/Nein?

Zum aktuellen Zeitpunkt und für unsere Situation: Nein, ein Speicher ist vermutlich nicht rentabel. Warum?

Die Preise für Speicher sind gerade recht hoch und mit welchen Daten rechnen wir? Der Performanceindex bei Batterispeichern liegt idR. darin zu rechnen wie viele Vollzyklen ein Speicher innerhalb eines Jahres machen kann und zu wie viel Ersparnis an Stromimporten das sorgt. Es ist leider unrealistisch zu denken der Speicher wird das ganze Jahr über tagsüber voll und wird nachts geleert. Zumindest in den Wintermonaten Jan/Dez kommt so wenig Leistung aus der PV Anlage, dass kaum der Eigenbedarf gedeckt wird. Ein Batteriespeicher kann aber den Grad der Autarkie bis in die Übergangsmonate gut vergrößern.

In den Sommermonaten brauchen wir im Haus in den sonnenfreien Stunden nur ca. 0,6-1kWh pro Tag –> So kleine Speicher gibt es am Markt kaum, von der Wirtschaftlichkeit ganz zu schweigen.

In den Wintermonaten können es durch die Heizung aber schon mal 14kWh zwischen 16 Uhr abends und 10 Uhr morgends sein.

Sind diese Mengen tagsüber im Winter als Überkapazität überhaupt verfügbar? PVGIS rechnet bei uns mit 55kWh für den gesamten Monat Januar. Das sind nur ca. 2kW/h Ertrag für den gesamten Tag. Ein Tropfen auf den heißen Stein also.

PV Ertrag exemplarisch für eine 5kW Anlage mit Verschattung

Dennoch sammle ich weiter Daten und rechne nach dem Winter nochmal nach. Interessant ist auf jeden Fall den Grad der Autonomie in der Übergangszeit zu erweitern und vermutlich würde es auf einen 5kW Speicher hinauslaufen.

Vermutlich performt unsere Anlage in Wintermonaten sogar etwas besser weil dann keine Blätter an den Bäumen sind und sich so die Verschattungssituation etwas verbessert.

Ein Gamechanger könnte noch das Elektroauto werden, wenn ich feststelle, dass ich auch in den Sommermonaten zu viel Strom zukaufen muss, weil das Auto zu spät am Tag angesteckt wird und die verbleibenden Sonnenstunden + das Wochenende nicht ausreicht den Wochenbedarf an Energie zu decken. Dann sprechen wir aber von ganz anderen Batteriegrößen als 5kW. Zum Vergleich, mit 5kW fährt man im Schnitt nur 25-30km weit.

Bürokratie und „Regeln“

Ja, es suckt! Und zwar richtig! Ich würde empfehlen sich gründlich mir den rechtlichen und steuerlichen Themen zu beschäftigen auch wenn sich der Elektriker zumindest um den Teil der Anmeldung der Anlage beim Energieversorger für Euch kümmert. Steuerliche Fragen bleiben aber immer an Euch hängen und je nach Anwendungsfall empfiehlt es sich hier auch das passende Betriebsmodell für Euch auszuwählen. Evtl. sprecht ihr sogar mit einem Steuerberater darüber.

Auch der Teil mit der Eintragung beim Marktstammdatenregister wird bei Euch hängen bleiben.

Wir sind den Shortcut gegangen die Anlage voll zu versteuern und uns keine Gewinnerzielungsabsicht beim Finanzamt attestieren zu lassen. Ich will keinen bürokratischen Overhead durch die Anlage haben, auch wenn es vermutlich ein paar Euro günstiger wäre die Anlage als Gewerbebetrieb laufen zu lassen. Informiert Euch aber auch über die aktuellen Gegebenheiten. Im Moment ist eine Steuerfreiheit für die PV-Module im Gespräch, aber nicht für Wechselrichter oder die Installation… ja, whatever.

Es ist mega ärgerlich, dass in den letzten 20 Jahren alles getan wurde um die PV-Geschichte mit möglichst vielen Einsteigshürden zu versehen und es bahnt sich auch keine Verbesserung an.

Das andere Thema ist was ihr für eine EEG-Konforme, netzgekoppelte Anlage beachten müsst. Ich hätte liebend gerne mehr PV Fläche durch eine Außenanlage auf dem Grundstück gehabt aber ich darf nicht. „Aufdach“ oder „Gebäudeintegriert“ sind die einzigen Möglichkeiten für uns eine Anlage zu betreiben ohne in Probleme reinzulaufen. Auch die Solarteure weichen nicht von ihrem Standardmodell ab und „legen Module nur aufs Dach“.

Exotisches Zeugs mag einem keiner bauen 😫. „Das lohnt sich doch nicht“ – Ja, ich weiß aber ich hätte das trotzdem gern. „Nein, das machen wir nicht“ – …

Lasst Euch dennoch nicht die Stimmung durch den ganzen Abfuck nehmen. Es ist eine gute Sache und über kurz oder lang kommen wir vermutlich alle nicht mehr herum selbst unseren Teil dazu beizutragen von fossilen Energieträgern wegzukommen und mit keiner anderen Technologie kommt man so schnell zu einem Großteil der eigenen Unabhängigkeit.

Solarteure vergleichen und selber rechnen

Vergleicht ein paar Firmen und lasst euch Vorschläge machen was die Firmen euch anbieten würden und fragt nach warum und weshalb.

Es ist mit der aktuellen Liefersituaton und den gestiegenen Preisen nicht mehr einfach den Leuten klar zu machen, dass sich so eine Anlage erst in evtl. 15-19 Jahren rechnet und es geht ja nicht um wenig Geld. Da ist die Versuchung groß den Kunden die Erträge schöner zu rechnen als sie sind, wenn der Anlagenverkäufer nicht seriös ist. Vergleicht Euer Angebot mit anderen Leuten im Photovoltaikforum, wenn Ihr Zweifel an dem Angebot habt.

Lasst Euch nichts „schön rechnen“ und vergleicht die Ertragsprognosen der Anlagendaten mit dem PVGIS.

Es ist generell nicht einfach realistische Prognosen zu fahren, denn die Amortisation setzt sich aus zwei Dingen zusammen, der Einspeisevergütung und dem Eigenverbrauch. Den Eigenverbrauch kann man schlecht rechnen, wenn man nicht weiß wie viel Strom zu welchen Zeiten im Haus verbraucht wir. Wird Strom zu Sonnenstunden verbraucht lässt er sich mit den Kosten für den Netzbezug gegenrechnen. Verbraucht Ihr den Strom aber nachts weil ihr viel Dauerbetrieb von leistungsstarken Anlagen habt darf das nicht gegengerechnet werden. Wenn Euer Solarteur also nach Eurem Jahresenergiebedarf fragt kann er höchstens ein allgemeines Verbrauchermodell darauf anwenden. Hier lohnt es sich selber zu wissen wann welcher Strom verbraucht wird um genau rechnen zu können.

Nehmt die Zeit Euch mit dem PVGIS. Tool zu beschäftigen. Es ist einfach zu bedienen, es ist hinreichend präzise und selbst wenn ihr eine Verschattungssituation habt könnt ihr das dort abbilden. Ihr bekommt Werte wie viel Strom ihr zu welcher Jahreszeit erwarten könnt und könnt dann abschätzen wie viel davon auf Euren Tagesverbrauch entfällt.

Rechtzeitig planen

Freunde von mir haben wenige Wochen nach mir ihre Anlage bestellt und werden jetzt 14 Monate auf ihre Anlage warten weil die Bücher der Solarteure durch den Krieg in der Ukraine und die dadurch gestiegenen Energiepreise voll sind und Material knapp ist. Gerade wenn es um Hybridwechselrichter oder Batteriespeicher geht ist es im Moment echt rar gesät mit Teilen. Je nach Entscheidung der Regierung, wie sie mit der Subventionierung von PV Anlagen weitermachen wollen kann sich die Situation nochmal drastisch verschlechtern. Sollte tatsächlich die Einspeisevergütung angehoben werden ( siehe „Osterpaket“) wird der Run auf die Anlagenbauer nochmal stark zunehmen.

Verbrauchsverhalten ändern

Es fällt ziemlich leicht sein Verbrauchsverhalten mit einer PV-Anlage zu ändern, wenn man auf einmal „nichts“ mehr für den Strom seiner elektrischen Verbraucher im Haus zahlen muss, wenn man es einfach nur auf den passenden Tageszeitpunkt verschiebt.

Wer auf Heimautomatisierung steht kann so tolle Sachen bauen wie:

- Die Waschmaschine beladen und auf Standby setzen. 
- Der Homeassistant entscheidet selbstständig wann der richtige Zeitpunkt ist die Maschine zu starten. 
- "Oh, eine Wolke drosselt die Anlagenleistung aber die Maschine heizt gerade mit 2,2kW das Wasser auf" --> Pausiere das Waschprogramm und mache erst weiter wenn wieder genug Leistung da ist.

Das Spielfeld für Heimautomatisierung ist riesig und ich will darauf in einem eigenen Artikel mal genauer eingehen, denn hier gibt es so viele tolle Möglichkeiten mit den richtigen Geräten und etwas Skill den Grad der Autarkie zu erhöhen und den Geldbeutel zu schonen.

Was ist unerwartet?

Ich hätte nicht gedacht wie sensibel die Module sind. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen reichen schon um z.B. ein Handy mit 20W zu laden und selbst nach dem Sonnenuntergang sind noch ein paar Watt verfügbar. Ich hatte erwartet, dass dafür viel mehr Sonnenstrahlung notwendig ist.

Was ich komplett unterschätzt habe ist der Temperaturkoeffizient der Module, der dafür sorgt, dass die Anlage am schönsten heißen Sommertag eine deutlich reduzierte Leistungsausbeute hat, wenn die Module sehr warm sind. Auch wenn meine Module mit der weißen Polymerfolie nicht hübsch aussehen aber komplett schwarze Module leiden unter dem Effekt natürlich noch viel mehr. Das ist nichts was mich wirklich stört weil ich im Sommer nicht sonderlich viel Leistung von den Modulen brauche (außer das e-Auto hängt an der Wallbox) aber gleichzeitig dreht sich der Effekt ja auch um und die Module arbeiten im Winter dafür effizienter.

Fazit

Mir macht die Anlage ziemlich viel Spaß und ich bin froh so groß wie möglich geplant zu haben. Das schafft viel Freiraum tagsüber einfach 4free elektrische Geräte betreiben zu können und es wird von der Kapazität der Anlage getragen. Interessant wird der Winter mit seinen mickrigen solaren Erträgen aber auch hier wird es einige Sonnenstunden geben auf die man seine Tätigkeiten verschieben kann.

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