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Wie hoch muss ich VFR fliegen?

Während einer Flugvorbereitung bin ich auf etwas gestoßen, das mich stutzig gemacht hat: Muss ich wirklich auf FL65 fliegen, wenn die Jeppesen Maximum Elevation Figure 3600 ft angibt?

Zeit sich nochmal genauer mit dem Thema zu beschäftigen, vorallem weil es hier in der Vergangenheit eine Regelung gab, die immer noch in vielen Köpfen drin steckt.

Nehmen wir an, wir wollen von einem Punkt von Ulm aus zur Burg Hohenzollern fliegen. Unser Weg führt uns durch ein Gebiet mit einer Maximum Elevation Figure von 36(00) ft.

Die Maximum Elevation Figure (MEF) beschreibt im umliegenden Gebiet von 30 Breitenmunuten und 30 Längenmunuten den höchsten Punkt auf der Karte und rechnet darauf nochmal ein virtuelles Hindernis hinzu. Aber es gibt unterschiede, ob es sich dabei um ein Hindernis oder einen Geländepunkt handelt.

Beim Geländepunkt werden +100ft für ein virtuelles Hindernis + nochmal 30ft Zuschlag gerechnet

Bei einem Hindernis werden +60ft hinzugerechnet.

Die Summe aus dem höchsten Hindernis und dem Zuschlag wird auf die nächsten 100ft Wert gerundet.

Die Berechnung der Maximum Elevation Figure siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheitsflugh%C3%B6he

Jetzt wissen wir wie hoch wir fliegen müssten, damit wir innerhalb des Bereichs mit nichts zusammenstoßen. Dem ist aber noch nicht genug.

Die Sicherheitsmindesthöhe

Zum Schutz von Lärmbelastung und für den Fall einer Notsituation gibt es zwei unterschiedliche Mindesthöhen, die über Grund eingehalten werden müssen und die nur für Start und Landung unterschritten werden dürfen.

Über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten und Menschenansammlungen im Freien beträgt die Sicherheitsmindesthöhe mindestens 1000 ft (300m) über dem höchsten Hindernis in einem Umkreis von 600 m. In allen anderen Fällen 500 ft 150 m) über Grund oder Wasser.

Achtung!

Bis zum Jahr 2015 gab es noch eine weitere Regelung, die besagte, dass Überlandflüge nach Sichtflugregeln mit motorgetriebenen Luftfahrzeugen (…) mindestens 2000ft über Grund und Wasser durchzuführen waren.

Auch bei mir geisterte dieser Zahlenwert noch immer im Kopf herum, vermutlich aus einem alten Lehrbuch.

Aber seit der Einführung von SERA wurde diese Regel 2015 abgeschafft.

Siehe https://www.buzer.de/gesetz/3772/a53040.htm

Mal angenommen wir überfliegen auf unserem Streckenabschnitt den höchsten Punkt auf der Karte so rechnen wir zu unserer MEF von 3600 ft weitere 1000 ft und landen so bei einer Sicherheitsmindesthöhe von 4600 ft.

Höhenmessereinstellung

Gestartet und gelandet wird in der Fliegerei immer mit dem lokalen QNH des Flugplatzes (oder dem nächstgelegenen mit QNH Übermittlung). Damit Flugzeuge aber gemeinsam in der gleichen Höhe fliegen können müssen diese mit einem Normalatmosphärendruck von 1013,2 Hektopascal (hPa) am Höhenmesser im Flug einstellen.

Aber ab wann muss man das eigentlich?

  • Bis zu einer Höhe von 5000 ft MSL oder bis zu einer Höhe von 2000 ft AGL, sofern diese Flughöhe 5000 ft MSL überschreitet, ist der Höhenmesser auf (…) den QNH Wert des nächstgelegenen Flugplatzes mit Flugverkehrskontrollstelle einzustellen.
  • Bei Flügen nach Sichtflugregeln oberhalb dieser Höhen ist der Höhenmesser auf 1013,2 Hectopascal einzustellen (Standard-Höhenmessereinstellung). Dabei ist die Flugfläche einzuhalten, die nach den Regeln über Halbkreisflughöhen dem jeweiligen missweisenden Kurs über Grund entspricht.

Der letzte Punt knüpft also die Halbkreisflughöhen an die Standard-Höhenmessereinstellung.

Halbkreisflughöhen

Die Halbkreisflughöhen geben dem Flugverkehr ein zusätzliches Plus an Sicherheit, denn sie sorgen dafür, dass Flugzeuge eine gleiche Höhe fliegen, die in eine ähnliche Richtung unterwegs sind. So kommen sich keine Flugzeuge auf der gleichen Höhe entgegen.

Damit Flugzeuge aber in der gleichen Höhe fliegen können müssen sie mit einem gemeinsamen Druck im Höhenmesser fliegen und zwar dem Standarddruck von 1013,2 hPa.

Wie funktionieren die Halbkreisflughöhen??

Es gibt entweder die östliche Flugrichtung (000° bis 179°) oder die westliche Flugrichtung (180° bis 359°) des jeweils missweisenden Kurses über Grund (zum magnetischen Nordpol).

Info

Damit sich VFR und IFR Flugverkehr nicht in die Quere kommt fliegt der IFR Verkehr auf den glatten Tausernder-Flugflächen und der VFR Flugverkehr auf den Flugflächen dazwischen mit 500 Fuß Abstand.

  • Die ungeraden Tausender (FL35, FL55, FL75, FL95) führen in östliche Richtung (Eselsbrücke: östlich = engl. „odd“ – ungerade)
  • Die geraden Tausender (FL45, FL65, FL85) führen in westliche Richtung.
VFR Halbkreisflughöhen

Transponderschaltung

Hinzu kommt noch eine seit 2015 neue Regularien zur Transponderschaltung, abhängig von der gewählten Flughöhe.

  • Bis 5000 ft MSL oder 3500 ft GND wird dringend empfolen den Transpondercode/Squawk 7000 (mit automatischer Höhenübermittlung) zu schalten.
  • Ab 5000 ft MSL oder überhalb 3500ft GND besteht die Verpflichtung den Transpondercode 7000 (mit automatischer Höhenübermittlung) zu schalten.

Siehe: https://air-law.de/wp-content/uploads/2019/02/NfL-1-1011-17-Transponder-1.pdf

Fazit

Jetzt haben wir uns nochmal das Regelwerk in Erinnerung gerufen wie wir unsere Flughöhe zu wählen haben aber müssen wir jetzt wirklich bei einer Maximum Elevation Figure von 36 auf FL65 fliegen wenn wir in westlicher Richtung fliegen?

Nein, denn:

Um auf unsere Mindestsicherheitsflughöhe zu kommen addieren wir zur Maximum Elevation Figure von 36 (3600 ft) weitere 1000 ft und kommen auf 4600 Fuß.

Wir könnten uns zwischen 4600 Fuß und 4999 Fuß bewegen.

Wollen wir höher fliegen kommt ab 5000 Fuß die verpflichtende Transponderschaltung hinzu, die Umstellung des Höhenmessers von QNH auf Standarddruck von 1013,2 hPa sowie die Einhaltung der Halbkreisflughöhe was uns eine Flughöhe von FL65 oder FL85 vorschreiben würde.

Eine gute Flugplanungssoftware unterstützt hier bei der Flugplanung in dem sie den Höhenverlauf inklusive der Hindernisse in einem virtuellen Radar darstellen und dabei auch das Wettergeschechen mit einbezieht.

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