Vor knapp einem Jahr präsentierte der Niederländer Mirchael Teeuw in seinem Blog einen selbst gebauten sog. Smart Mirror (Artikel Mirror I / VI). Unser Hausflur brauchte sowieso noch einen Spiegel. Zeit für ein neues Projekt.
Das hier ist keinen step-by-step Guide zum Nachbau. Ich möchte euch hier nur mein Projektergebnis vorstellen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten wollte ich den Monitor nicht in ein Gehäuse verbauen um dieses an die Wand zu hängen sondern in erster Linie den Monitor inkl. der dahinterliegenden Teile über eine Vesa-Wandhalterung fixieren und den Rahmen über selbst gedruckte Halter aus dem 3D Drucker über den Monitor zu stülpen. Somit kann die Front beliebig gewechselt werden und das komplette Gewicht muss nicht vom Rahmen getragen werden.
Außerdem wollte ich den Monitor nicht zerlegen, um ihn im Notfall noch als regulären PC-Monitor verwenden zu können, sollte das Projekt doch nicht das gewünschte Ergebnis zeigen.
Auch alle anderen Teile sind möglichst Modular gehalten und via Steckverbindungen miteinander verbunden. Eine andersfarbige Zuleitung oder ein Ladestecker mit mehr Ports? Kein Problem: Plug&Play!
Echte „Bastelarbeit“ hatte ich nur mit der Selbstkonfektionierung der Verkabelung. Der Monitor und der USB-Lader für den Raspberry teilen sich das gleiche Stromkabel. Somit muss nur eine Zuleitung zum Spiegel geführt werden.
Der schwierigste Teil war die Beschaffung eines passenden Monitors mit den folgenden Spezifikationen:
- VESA-Wandhalterung zur Montage an der Wand
- >= 24″
- Der obere und untere Rand des Monitorrahmens sollte möglichst gleich breit sein
- Keine über den Rand herausstehenden Knöpfe
- Abnehmbarer Standfuß
- Genug Platz hinter dem Monitor für den Raspberry Pi inkl. Verkabelung und Netzteil
- Eingebautes Netzteil (ein zusätzliches Netzteil zu verstauen braucht zusätzlichen Platz + Kabel
- HDMI (Es gibt tatsächlich noch genügend Monitore im unteren Preissegment, die nur VGA Anschlüsse haben!)
- Anschlüsse in Richtung „Seite“ und nicht „Hinten“ Sonst tragen die Stecker zusätzlich zur Dicke auf
- Einigermaßen schlanke Bauweise
Meine Wahl fiel nach mehreren Besuchen von Elektronikmärkten auf einen Acer K242HLA… – Monitor. Dieser ist zwar etwas dicker als ich es für den Raspberry theoretisch benötigen würde aber ansonsten entspricht er recht gut den restlichen Anforderungen. Einziger Nachteil ist die ungleiche Blickwinkelstabilität nach unten/oben. Somit muss man sich beim Aufhängen etwas Gedanken machen von welcher Seite aus der Spiegel hauptsächlich angesehen wird und wie man daran vorbeiläuft.
Super wäre natürlich ein OLED Monitor bei dem die schwarzen Bildpunkte auch wirklich schwarz sind. Bei den herkömlichen hintergrundbeleuchteten Monitoren kann man bei dunkler Umgebung sehen wo sich der Bildschirm befindet.
Den Bilderrahmen habe ich der Standardgröße 40cm * 60cm besorgt. Einen Kostenvoranschlag von ~35€ für eine Maßanfertigung habe ich aber auch schon angefordert. Die Lieferzeiten hierfür waren mir aber ersteinmal zu lange. Das kann aber noch warten.
Teileliste
- Monitor Acer K242HLAbid
- Spionspiegel 40cm x 60cm
- Bilderrahmen 40cm x 60cm aus dem Künstlerbedarf
- Rasberry Pi 3
- 0,2m HDMI Kabel
- RICOO TV Wandhalterung Flach
- micro SD Karte
- z.B. 2x Eurokupplung
- z.B. 2x Eurostecker
- USB-Ladegerät 2,4A
- USB-Kabel kurz
- Raspberry Pi Gehäuse (Thingiverse / Amazon)
- Klettband / Flauschband zur losen Fixierung der Bauteile am Monitor
- 2m Textilkabel 2 Adrig (Textilkabel sehen einfach besser aus)
- Diverse Teile aus dem 3D Drucker. Ich habe sie hier hochgeladen: thingiverse
- Schwarzer Karton aus dem Künstlerbedarf zum Zuschnitt eines Passepartout (Zur verblendung der offenen Bereiche um den Rand des Monitors
Spiegel
Viele Bastler berichten von guten Erfahrungen mit Spiegelfolien aber ich bin mit dem Ergebnis leider nicht zufrieden gewesen. Die staubfreie Verarbeitung ist nicht einfach aber auch mit der Durchsicht bzw. Reflektion war ich nicht zufrieden.
Ich habe mich schließlich für einen richtigen Spionspiegel mit folgenden Spezifikationen entschieden: 60% Reflektion, 3% Durchsicht. Das Ergebnis gefällt mir so schon sehr viel besser. Der Mehrpreis zahlt sich auf jeden Fall aus.
Ausblick
Ich habe mich beim Interface und der Software am Anfang größtenteils von der Arbeit der anderen Bastler bedient. Mir fehlen aber im Moment noch ein paar Module um die ich mich kümmern muss. Dazu gehört z.B. eine Todo-Liste (google keep?), allgemeine Notizen, ein RSS-Feed meiner ungelesenen Feedly.com Einträge usw. Speziell zur Software des Smart Mirrors werde ich demnächst noch einen separaten Artikel schreiben.
Leistungsaufnahme
Den Stromverbrauch konnte ich mit 100% Bildschirmhelligkeit im Mittel auf ca. 24,4W messen. Ist das Display aus, genehmigt sich alleine der Raspberry 1,4W. Im 100%-On ergibt sich somit ein Jahresstromverbrauch von 64€ (5,30€/Monat). Ich möchte mich noch mit einer Präsenzerkennung beschäftigen um wenigstens den Bildschirm nur bei meiner Anwesenheit zu aktivieren.
Update: -40% Stromkosten via Geofence
Zum Weiterlesem
l2ping <– Der Versuch einer Präsenzerkennung via Bluetooth
Geofence <– Geofence als Präsenzerkennung
Linkliste
Besonderer Dank geht an alle Blogger von denen ich mir viele Inspirationen holen konnte und die auch mit dem Interface und den zusätzlichen Softwaremodulen super Vorarbeit geleistet haben.
dracarysdiy.wordpress.com
michaelteeuw.nl
smart-mirror.io
Mega gut!
Bei mir fehlt noch ein Spiegel im Bad und bin am überlegen, ob ich dann auch gleich so etwas baue.
VG
Josef
Danke 🙂 Einer der ersten Bastler hat sich seinen Smart Mirror fürs Bad gebaut:
https://medium.com/@maxbraun/my-bathroom-mirror-is-smarter-than-yours-94b21c6671ba#.s1t8xb8pf
Ich wäre nur vorsichtig mit der Luftfeuchtigkeit und der Elektronik. Wenn permanent Feuchtigkeit und Staub ins Gehäuse kommt, kann das schnell Leitfähig werden. Aber es gibt sicherlich auch Lösungen dafür.
LG Silvan
Jo genau den hab ich vor paar Wochen auch mal gesehen. Er will ja noch die Elektronik mehr verstecken.
Ja die Feuchtigkeit wird wahrscheinlich ein Problem werden.
Danke für die Materialliste! Ich hab das Projekt schon länger in Planung – jetzt ist es soweit. Den 24″ Monitor soeben bei Amazon WHD für 90€ bestellt.
Sehr gerne, melde dich mal, wenn dein Spiegel fertig ist.
LG
Völlig genial! Sowas brauchen wir auch.
[…] Präsenzerkennung für meinen Smart Mirror hätte ich gerne mit den Bordmitteln meines Raspberrys einen Bluetooth Ping via l2ping genutzt um […]
Material Kosten schätze ich auf ca. 270Euro , kommt das hin ? Wie hast du den Rahmen gemacht ?
Super Projekt.
Dankeschön. Preislich sollte es bei mir etwa auf 330 Euro inkl. des Bilderrahmens (im Angebot wegen einer kleinen Macke für ca. 24 Euro) gekommen sein. Wenn du aber schon USB Kabel, ein passendes Netzteil oder andere Teile hast, wird das natürlich entsprechend weniger kosten. Ich habe einen ganz normalen Bilderrahmen aus dem Künstlerbedarf (Boesner) gekauft. Dort habe ich einfach den nächst größeren Rahmen passend zu meinem Monitor gekauft. Glücklicherweise konnte ich passend dazu auch den Spionspiegel in dieser Größe finden.
Hallo,
wie hast du mehre Kalender eingebunden?
Ich habe mich des Templates von http://michaelteeuw.nl bedient. Sein Kalendermodul kann mehrere .ical URLs entgegennehmen.
Hallo,
erst einmal großen Lob. Ich bin auch gerade dabei einen Magic Mirror zu bauen. Momentan stehe ich vor der Frage, ob ich den Monitor tatsächlich aus dem Gehäuse ausbauen muss oder nicht. Wenn ich jetzt Deine Informationen richtig verstehe, hast Du den Monitor auch im Gehäuse gelassen und den Spionspiegel davor gesetzt. Ist bei Deinem Mirror zwischen Bildfläche des Monitors und dem Spiegel auch ein kleinen Luftraum (ca.2-3mm)?
Zwischen dem Monitor und dem Glas ist ein kleiner Abstand, der aber nicht auffällt oder stört. Wichtig ist nur, dass kein Streulicht von hinten in das Spiegelglas fällt. Da für habe ich den schwarzen Karton installiert.
Sieht wirklich gut aus !
Meine Frage wäre wie Du die Halter gelöst hast um die Scheibe am Monitor zu befestigen ?
Mit nur 2 Halter aus 3 D-Drucker? (Kunststoff ?)
Für die Halter habe ich aus dem 3D Drucker einfach kleine Blöcke aus PLA (Kunststoffpolymer) gedruckt. Das Teil siehst du hier:
http://konkludenz.de/wp-content/uploads/2016/03/IMG_0857-1024×682.jpg
Gibt es von den Haltern auch eine STL die du bereitstellen könntest?
Hi, ich habe die Teile gerade hochgeladen: https://www.thingiverse.com/thing:3859632
Viel Spaß mit dem Projekt 🙂
Bin eher der Bastler als der Programmierer. Kann man irgendwo die fertige Software herunterladen? Als Image für die SD Karte zum anpassen?
Oder ist das ein Geheimnis?
Wenn Ihr Apple nutzt am besten das SmartMirrorTool aus dem App Store.
einfach nach SmartMirrorTool googeln
Video gibts ich in YouTube