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Ladenetzanbieter Elli: Ein Erfahrungsbericht

Ich habe in der Vergangenheit viel Wehklagen von Elektroautofahrern gehört, dass das Laden an öffentlichen Ladestationen nicht so ganz rund läuft. Ich dachte, dass die Leute einfach unzufrieden sind wie schnell geladen wird, oder dass die Ladestationen voll sind und man ab und zu warten muss bis eine Säule frei wird.

Die Probleme liegen aber an ganz anderen Stellen und sind nicht kosmetischer Natur, wir auf einem Trip nach Norwegen erfahren durften.

Was sind CPO und MSP?

Weil die Ladesäulenbetreiber/Charging Point Operators (CPO) die Kunden in deren eigene Ladetarife zwingen wollen, sind spontane ad hoc Ladungen absichtlich empfindlich teuer und liegen zum Teil bei 80ct/kWh während die CPO-eigenen Tarife für Kunden aktuell bei 30ct/kWh liegen. Man bezahlt einen Mitgliedsbeitrag und erhält dafür reduzierte Preise für die geladene kWh.

Es gibt enorm viele sehr regional operierende Anbieter wie z.B. Stadtwerke und einige, die auch europaweit Säulen betreiben.

Damit man sich nicht bei jedem Dorfbetreiber registrieren muss gibt es Mobility Service Provider (MSP), die Verträge mit den jeweiligen CPO abschließen und so eine größere Ladenetzabdeckung anbieten.

Als Kunde eines MSPs hat man im Normalfall einen einheitlichen Ladepreis pro kWh, egal bei welchem CPO man lädt. Manchmal unterscheidet man noch Preise zwischen AC und DC Ladung.

Die Mobility Service Provider (MSP) vereinfachen für uns Kunden also das Roaming zwischen den unterschiedlichen Charging Point Operators (CPO).

Aber nicht jeder MSP deckt alle CPO ab, was bedeutet, dass einem trotz MSP-Vertrag nicht alle Ladestationen zur Verfügung stehen. Zwischen dem MSP und dem CPO sitzt idR. noch ein eRoaming Hub wie z.B. Hubject, aber das ist ein technisches Detail. Damit wird man als Kunde nichts zutun haben. Bei der Auswahl des MSP gilt es also zwischen Preis und Verfügbarkeit abzuwägen.

Meine Wahl fiel auf Elli.eco, weil dort europaweit Ionity zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland mit 35ct/kWh und z.B. in Norwegen mit 15ct/kWh abgerechnet wurde und das ziemlich attraktiv war. Einziger Wehrmutstropfen: Der Vertrag bindet mich gleich ein ganzes Jahr.

Der Versand der Ladekarte

Zwei Wochen vor unserer Reise nach Norwegen haben wir also einen Vertrag mit Elli.eco abgeschlossen aber die physische Ladekarte wurde auch auf Nachfrage 10 Tage nach Bestellung noch nicht verschickt weshalb wir ohne die Karte losfahren mussten. Alles gar kein Problem, wir haben ja die App und können damit die Ladesäulen freischalten…

denkste!

Die Leidensgeschichte mit Elli.eco beginnt

Daheim noch habe ich vor der Abfahrt diverse Ladestationen mit der Elli App ausprobiert und es hat auch immer auf Anhieb geklappt, weshalb wir unsere Reise nach Norwegen voller Zuversicht gestartet haben, was die Ladesituation angeht. Sabine hat sich die Elli App ebenfalls installiert, damit wir beide mit unseren Smartphones die Säulen starten können.

Die Elli App nicht mehrfach installieren!

Wir sind einige hundert Kilometer von daheim weg und wollen die erste Ladestation freischalten aber die Ionity Säule wartet auf den Bezahlvorgang… und wartet.. und wartet… nichts passiert.

Wir fahren an die nächste Säule aber auch hier startet der Ladevorgang nicht und auch bei der nächsten Säule passiert nichts – wir fahren weiter.

Weil ich mich noch nicht traue den Akku auf 0% runterzufahren, können wir glücklicherweise an die nächste Ionity Station fahren weil noch genügend Restkapazität über ist aber auch hier das gleiche Spiel: Kein Ladevorgang startet – Das darf doch nicht wahr sein!

Gut, dass ein Tesla Supercharger nur 500m entfernt ist. Dieser lädt uns den Akku wieder voll aber anstatt 35ct/kWh zahlen wir 65ct/kWh. Ihr seht, genau das ist der Grund warum wir den Vertrag mit Elli.eco abgeschlossen haben.

Wir bezahlen fremde Ladevorgänge

Inzwischen sind wir schon wieder unterwegs als Sabine meinte: oh, da findet ein Ladevorgang statt (5kWh wurden bereits geladen).

Es sieht so aus, als ob die App Minuten nachdem wir den Ionity Charger verlassen haben doch einen Ladevorgang freigeschaltet hat und sich ein anderer Kunde über eine kostenlose Ladung freut. Wir brechen den Ladevorgang über die App ab aber es klappt nicht. Am Ende stehen 54kWh auf unserer Rechnung – danke für nix.

Wir spendieren einem fremden einen Ladevorgang weil wir den Ladevorgang über die App nicht abbrechen können

Wir überlegen was denn gerade das Problem ist und kommen drauf, dass Sabine sich die App relativ frisch installiert hat und ich früher der einzige Benutzer war. Sabine deinstalliert die App und ich installiere meine App neu.

Wir fahren zum nächsten Ionity Charger und… Hura! Die Ionity Säule lässt sich sofort ohne Verzögerung freischalten!

Denkt sich Elli eigentlich, dass jeder in der Familie sich seinen eigenen Jahresvertrag abschließt?

Der Elli Support

Während wir mit den ersten Ionity Ladesäulen noch in Deutschland kämpfen telefonieren wir mit dem Ionity Support, weil das die Telefonnummer ist, die auf den Ladesäulen steht. Der Ionity Support am Telefon meinte, dass er die Säule neu starten kann, aber das Problem vermutlich an Elli liegt. Die Säule startet neu, der Ladevorgang funktionierte aber immer noch nicht.

Ich rufe jetzt den Elli Support an und er meint, dass die Ionity Säule vermutlich defekt ist und ich mir doch eine andere Ladestation suchen soll, was wir dann auch getan haben – zum nächsten Supercharger.

Ein weiterer Anruf beim Elli Support, eine Stunde später am nächsten Ionity Charger endete damit, dass der Support eine Seriennummer von dem Ionity Charger haben wollte um diesen neu zu starten „Die Seriennummer beginnt mit 0…“ aber ich finde keine solche Nummer am Charger. Weder die EVSE-ID beginnt mit einer 0, noch an der Säulenplakette steht eine solche Seriennummer. Der Support kann mir nicht helfen und lässt mich sprichwörtlich im Regen stehen. Wieder im Auto dämmert mir langsam, dass Elli auch eigene Wallboxen verkauft. Evtl. hat der Support nicht verstanden, dass ich an einem Ionity Charger stehe… Aber genau das habe ich mehrfach gesagt und auch im Telefonmenü ausgewählt… Nunja.

Ich telefoniere in den nächsten Tagen nochmal mit Ionity und erzähle ihnen davon, dass Elli einen Ionity Charger neu starten wollte und der Ionity Support hat gelacht und meinte „Niemand startet unsere Charger neu, außer wir -Ionity“

Ladesäulenstatus der Elli App enthält alte Informationen

Inzwischen haben wir die Deutsche Grenze hinter uns gelassen und merken, dass die Ionity Säulen ab jetzt voll sind und lernen das Wort „Ladestau“.

Andere Länder sind einfach weiter als wir was Elektromobilität angeht und auch ein 12er Ionity Charger ist voll mit längerer Warteschlange. In Dänemark und Norwegen hat Ionity sich noch nicht an den Bedarf angepasst.

Ladestau, 4 Fahrzeuge vor uns, hinter uns nochmal 6

Wir warten 15min bis wir an eine Ladesäule fahren können aber jetzt stehen wir vor dem Problem, dass die frei gewordene Ladesäule, an die wir uns stellen, in der Elli App nicht als verfügbar gekennzeichnet ist und ich deshalb keinen Ladevorgang starten kann. Ich stehe also am Charger und Minuten lang ist die Ladesäule von weitem als „frei“ sichtbar und andere Kunden fahren zu mir an die Säule, weil sie denken ich fahre gleich weg aber dabei habe ich nicht einmal angefangen zu laden. Ich schieße die App ab und starte sie neu, in der Hoffnung, dass ich endlich den neuen Status bekomme und den Charger starten kann. Aber Elli aktualisiert einfach den Status nicht.

Ich prüfe, ob die Ionity App den aktuellen Status richtig ausgibt und hier stimmt er. Also holt sich Elli den Status nicht oft genug. Mittlerweile sind 10min vergangen und ich lade immer noch nicht. In 10min hätte ich meinen Akku schon lange wieder von 20% auf 60% geladen und wäre weiter gefahren oder ein anderer in der Reihe hätte laden können.

Ich rufe wieder Elli an, gebe die EVSE-ID Säulennummer durch und höre:

„Ja, die Säule ist belegt, suchen Sie sich eine andere Säule“

No shit sherlock!

Wir merken uns: Wenn ein Ladepark voll belegt ist fahren wir nicht zu Ionity weil wir nur unnötig andere Kunden blockieren.

In der Realität sind Ionity Säulen aber zu 90% voll und wir setzen darauf, dass eine der „richtigen“ Ladesäulen frei wird und suchen uns die Säulen aus, die in der App noch als verfügbar markiert sind. Das stößt auf viel Unverständnis als wir andere wartende Leute vorbitten. Bloß nicht die App aktualisieren, dass sie sich keinen neuen/inzwischen wieder veralteten Status holt. Ein Spießrutenlauf.

DAU Textbausteine vom Support

Inzwischen wird das erste unserer Tickets bei Elli via Mail beantwortet wo es noch darum ging, warum wir keine Ionity Säulen starten können:

– Melden Sie sich in Ihrer App ab.
– Löschen Sie den Cache der App.
– Löschen Sie die App.
– Führen Sie einen Neustart des Smartphones durch nachdem es für 3
bis 4 Minuten ausgeschaltet war.
– Installieren Sie die App erneut.
– Melden Sie sich in der App an.

elli Support

Gut, dass wir inzwischen herausgefunden haben, dass es an den zwei gleichzeitigen Installationen der App lag, dass wir keine Ladevorgänge starten können.

Wie läuft es mit nicht-Ionity Ladesäulen?

Das Netz von Ionity Ladestationen wird spärlicher je weiter nördlich wir in Norwegen kommen und wir steuern die erste Ladesäule von „Recharge AS“, einem Norwegischen CPO, welcher in der Elli App auftaucht. Aber sie lässt sich nicht starten. Wir dachten, die Probleme wären jetzt weg, seitdem Sabine ihre App deinstalliert hat aber jetzt taucht schon wieder ein Problem auf. Wir fahren zum nächsten Supercharger und planen ab jetzt mehr Puffer ein.

Wir probieren in den nächten Tagen eine „Mer“ Ladestation aber sie lädt nicht, wir probieren eine von „Fortum“ aber sie lässt sich nicht frei schalten. Ich gebe auf… Scheinbar funktioniert für uns nur Ionity über Elli. Während der ganzen Reise schaffen wir es bei einem einzigen 22kW Charger eine Ladung mit Elli.eco zu starten, also kein prinzipielles Problem aber worauf will man sich denn verlassen bei 90% Fehlversuchen?

Mein Fazit

Ich habe die Reise eigentlich angetreten um am Ende sagen zu könnten „Schau her, du kannst problemlos mit deinem Elektroauto 800km+ an einem Tag fahren und sogar in Norwegen auf den Lofoten im letzten Eck mit deinem deutschen Ladetarif laden“

Aber es ist zu einem Trauerspiel mit Elli geworden. Elli zwingt den Kunden einen 12 Monats Vertrag zu 156€ im Jahr fix auf, dass man halbwegs gute Roaming Preise bezahlt aber die Schnittstellen zu den CPOs funktionieren nicht und anstatt 15ct/kWh bei Ionity in Norwegen zu bezahlen muss ich bei den Tesla Superchargern für 55ct/kWh laden. So habe ich mir das nicht vorgestellt und so rechnet sich der teure „Elli Highway“ Tarif auch nicht, wenn ich den gekauften Service gar nicht nutzen kann oder sogar Geld für die Ladung anderer Leute ausgeben muss.

Auf Nachfrage, ob es Erstattungen für die teuren ad hoc Ladungen gibt antwortet Elli wie folgt:

Da Elli keine Garantie für Funktion Ladestationen Dritter geben kann, können wir keine Entschädigung für nicht authorisierte Ladevorgänge zahlen. 

Elli Support

Die Ladesäulen funktionieren top. Die sind nicht das Problem. Ich unterhalte mich mit vielen anderen Kunden an den Ladesäulen, weil mich genau das interessiert, ob die Leute Apps verwenden oder Karten. Gerade in Dänemark und Norwegen treffe ich viele, die die Ladesäulen mit MSP Apps starten. Es liegt also offensichtlich nicht an den Ladesäulen. Andere MSP Apps schaffen die Freischaltung.

Nur Elli nicht.

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