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UL Flug Praxisausbildung

Vor etwas über einem Jahr habe ich eine Ultraleicht Flugausbildung begonnen. Jetzt habe ich die Ausbildung taufrisch abgeschlossen und möchte von dem Weg dort hin und den vielen unglaublich schönen Eindrücken in dieser Zeit erzählen sowie einen kleinen Ausblick geben wie es für mich nun mit dem Fliegen weitergehen wird.

Über meine Theorieausbildung habe ich bereits hier geschrieben.

Am Anfang der Praxisausbildung spielte sich noch viel am Boden ab. Man bekommt gezeigt, wie man das Flugzeug vor dem Flug checkt und tankt. Hier erwartet der Fluglehrer schnell Selbstständigkeit, weil er zur Schulung in ein vollständig gechecktes und ausreichend getanktes Flugzeug einsteigen will.

Erste Rollübungen am Boden finden statt und man lernt, die Maschine am Boden zu bewegen. Die 10m Spannweite dürfen nirgendwo anstoßen, einen Rückspiegel gibt es nicht, gelenkt wird mit den Füßen und gebremst wird mit der Hand.

Die ersten Flugstunden in der Platzrunde sind dafür da die Abläufe kennen zu lernen. Ich war anfangs mehr Passsagier als Flugschüler und war dabei schon total überfordert. Die Prozedur zum Anlassen des Motors, der Start Check, der Funk, die Klappensetzung, alleine die Position des Flugzeugs in Relation zum Flugplatz während der Platzrunden. Viel zu viel!

Das war ein ziemlicher Downer am Anfang. Ohje, wie soll ich all die Arbeit schaffen und bekomme ich das irgendwann alleine hin?

In den nächsten Stunden übernimmt man in immer mehr Situationen das Steuer. Man versucht gerade aus zu fliegen, die Höhe zu halten, Kurven zu fliegen, gleichzeitig auf die Geschwindigkeit zu achten. Irgendwann die ersten Versuche nach dem Start die Maschine bis zum Landeanflug alleine zu steuern.

Man gewöhnt sich langsam an die Arbeisbelastung im Cockpit. Das Gehirn kann nach und nach immer mehr Dinge gleichzeitig bewältigen.

Was mir lange Probleme bereitet hat war die Abschätzung der Landeeinteilung. Es war frustrierend wie eine leichte Änderung des Windes oder Temperaturschwankungen von einem auf den anderen Tag ein komplett anderes Anflugverhalten bedeutete.

Üben, üben, üben…

Eines Tages kam dann der erste Schockmoment für mich.

Als ich mit meinem Fluglehrer nach ein paar Übungen gelandet bin sollte ich die Maschine anhalten und er stieg aus, steckte sein Headset ab und meinte „Du machst jetzt drei Platzrunden – alleine“

Ich habe nur gestammelt „Nein, ich glaube das kann ich noch nicht!“

Er meinte „Doch, das passt! Viel Spaß, ich bin am Funk. Kann nichts passieren.“

Er schloss die Türe von außen und ich saß das erste Mal in meinem Leben alleine im Cockpit, mit laufendem Motor. FUCK!

In meinem Kopf sind die letzten Monate vorbeigezogen, der lange Theorieunterricht, die vielen Stunden daheim beim Lernen, die theoretische Prüfung, die lange Vorfreude auf die ersten Flugstunden, die ersten Erfolgserlebnisse in der Luft aber bis jetzt hatte ich mir noch nie ausgemalt, wie genau dieser Moment einmal aussehen würde.

Nachdem sich der Schockmoment gelegt hatte bin ich langsam mit zittrigen Knien und trockenem Hals an den Rollhalt der Bahn gerollt, habe den Startcheck gemacht, tief durchgeatmet und auf die Bahn gerollt, das Flugzeug ausgerichtet und habe Gas gegeben.

Erstaunlich wie schnell die Maschine mit nur einer Person beschleunigt und fliegen will. Binnen kürzester Zeit hatte ich eine ungewohnt hohe Geschwindigkeit gleich nach dem Abheben. Die Maschine fühlte sich mit nur einer Person an Bord auf einmal ganz anders an.

Als die Maschine dann flog bin ich wieder ruhiger geworden. Die Routine stellte sich langsam wieder ein. Der Abflug, die erste Linkskurve, weiter steigen, die Klappen einziehen…. Ups, ich habe wohl beim Startcheck die Klappen zu weit verstellt. Das war der Grund warum die Maschine nach dem Abheben schon so schnell war. Egal, alles gut. Weiter im Text.

Zwischen Start und Landung liegen in der Platzrunde nur ca. 3 Minuten. Jetzt kam es zum Anflug. Die Höhe, die Geschwindigkeit und Position fühlten sich richtig an. Die Geschwindigkeit im Anflug exakt einhalten, einen schönen Abfangbogen kurz vor dem Aufsetzen einleiten und mit fast vollständig gezogenem Höhenruder setzte erst das Hauptfahrwerk sachte auf und dann das Bugrad. Wow, die erste Landung im Alleinflug!

Gleich das Gas wieder rein für die nächsten zwei Platzrunden. Bei der dritten Landung merkte ich, dass ich im Anflug unaufmerksamer geworden war. Die Maschine war etwas zu schnell und wollte nicht so richtig sinken und schwebte viel zu lange auf der Bahn. Egal, durchstarten und einen neuen Versuch wagen. Der zweite Versuch war wieder OK und ich habe die Maschine abgestellt, bin ausgestiegen und habe meinen Fluglehrer vor lauter Freude umarmt. Der erste Alleinflug war für mich ein sehr emotionales und bewegendes Erlebnis an das ich mich noch lange erinnern werde. Dezent lebensverändernd. Für den Tag war ich platt. Super glücklich aber platt.

Die erste Sololandung

Die nächsten Flugstunden durfte ich wieder alleine los. Platzrunden üben… Platzrunden… Platzrunden. An einem Tagen waren es 45 Starts in 3h. Irgendwann konnte ich den eigenen Flugplatz nicht mehr sehen und wollte weg. Wenigstens einmal 10 Minuten entspannt gerade aus fliegen und nicht nur Linkskurven in der Platzrunde. Aber da muss man durch – Stunden sammeln.

Es kam dann auch die Zeit wo ich wieder mehr mit meinem Fluglehrer zusammen unterwegs war. Flüge zu fremden Plätzen, ein Flug durch die Kontrollzone Stuttgart und Überflug über den Stuttgarter Flughafen mit Zwischenlandungen an kleineren Flugplätzen. Landen, die Landegebühr am Tower bezahlen, einsteigen und wieder weiter.

Streckenflüge bergen wieder ganz andere Herausforderungen. Es ist nicht einfach den Untergrund, der viel zu schnell unter einem durchzieht in Relation zu einem Punkt auf der Karte setzen zu können. Die Navigation in der Praxis ist doch noch einmal etwas anderes als wenn man die Routen in der Theorie am Boden plant.

Man navigiert anhand von vorher errechneten Kompaskursen, einer Stoppuhr, Straßen, Flüssen und markanten Landmerkmalen. Wichtig werden auf einmal die Formen von Waldstücken, die auf den Flugkarten nur ganz sachte eingezeichnet sind.

Irgendwann kommt der Tag wo man das erste Mal alleine, mit einem Flugauftrag vom Fluglehrer zu einem fremden Platz fliegen darf. Hier muss man sich innerhalb kurzer Zeit einen Überblick vom Zielplatz verschaffen um richtig in die Platzrunde einzufliegen ohne Geräuschempfindliche Ortschaften zu überfliegen und sich mit anderen Typen von Landebahnen auseinandersetzen. Gras, Teer, lang, kurz, breit, sehr schmal, ansteigende oder abfallende Pisten. Alles eine neue Herausforderung.

Nach solchen Flügen steigt aber das Selbstvertrauen ungemein. Die Routine setzt auch hier langsam ein und es fällt immer leichter sich in der Luft zu orientieren.

Es war eine starke Belastungsprobe wenn der Wetterbericht Woche um Woche kein fliehbares Wetter vorhersagt hat aber die Vorfreude auf den nächsten Flug bleibt trotzdem ungetrübt.

Wenn das Pflichtprogramm an Stunden und Aufgaben irgendwann abgeflogen ist wird es ernst. Die Prüfungsanmeldung steht bevor. Papierkrieg und Bürokratie setzen ein. Dinge werden unterschrieben, verschickt und irgend wann erhält man grünes Licht um die Prüfung antreten zu dürfen. Dann ging es für mich auf einmal recht schnell. Der Termin zur Prüfung mit dem Prüfer war ausgemacht, das Wetter sah ruhig aus und ich bin das erste Mal alleine auf einem Verkehrslandeplatz u.a. für Maschinen mit IFR Instrumentenlandesystem gelandet, was im Nachhinein auch nicht viel anders war als auf den kleinen Pisten oder Graslandebahnen aber das Unbekannte macht erst einmal etwas vorsichtig.

Mit dem Prüfer bin ich die Strecke vorher durchgegangen. Er hat sich mit mir ins Cockpit gesetzt und die Atmosphäre war recht entspannt. Ich bin den vorher abgemachten Kurs abgeflogen, habe viel von dem was ich gemacht, gedacht und gesehen habe beschrieben, angekündigt und begründet. Zum einen als Selbstbestätigung und auch damit der Prüfer sofort die Hintergründe zu dem hat warum ich etwas mache und er nicht extra nachfragen muss. Beim letzten Streckenabschnitt haben wir noch ein paar Flugübungen gemacht und über dem Zielflugplatz einen Motorausfall simuliert mit gleichzeitiger Ziellandung an der Halbbahnmarkierung der Piste. Nach dem Aufsetzen dann der Daumen nach oben vom Prüfer.

32min Flugzeit. Großartig!

Trotz bestandener Prüfung bin ich gerade weder Flugschüler noch Scheininhaber. Ich bin gegroundet wie man so schön sagt bis ich den Schein demnächst im Briefkasten haben werde.

Hier noch ein Interview in dem ich ein paar Worte zur Fliegerei sagen durfte. Danke an TFT-Arts.

Was benötigt man zur praktischen Flugausbildung alles?

  • Eine Flugschule oder Verein. Sprecht mit einer Flugschule und einem Verein. Tendenziell wird die Ausbildung in einer Flugschule schneller fertig sein als in einem Verein. Preislich könnte aber der Verein günstiger sein, zieht aber auch eine deutlich höhere Arbeitsbelastung mit sich.
  • Ohne Flugärztliche Zustimmung kommt ihr nicht bis zum ersten Alleinflug. Das Medical solltet Ihr euch möglichst frühzeitig besorgen. Das Medical besteht aus einer Augenärztlichen Untersuchung sowie einer Fliegerärztlichen Untersuchung.
  • Ein BZF Funksprechzeugnis ist optional. Hier kommt euch ein Vorteil der UL-Fliegerei zugute wo Ihr mit der theoretischen Ausbildung automatisch eine vereinfachte Funkprüfung ablegt und kein extra BZF benötigt. Allerdings mit der Einschränkung, dass Ihr nur an unkontrollierten Flugplätzen fliegen dürft und das auch nur deutschsprachig.
  • Ein Headset ist optional. Vereine stellen euch eins und die Flugschule wird euch auch eins stellen. Mir persönlich war es wichtig ein eigenes zu haben weil ich ein paar Features wie z.B. die aktive Geräuschunterdrückung wichtig war.
  • Aktuelle! ICAO Flugkarten von der direkten Umgebung und von allen Bereichen in die Ihr einfliegen wollt.
  • Einen Fliegertaschenkalender
  • Eine Sonnenbrille (Als Brillenträger müsst Ihr sowieso eine zweite Brille mitführen.)

Was nun?

Mit dem Schein darf ich im ersten Moment nur alleine fliegen. Das heißt ich werde mich jetzt um die Passagierflugberechtigung kümmern. Außerdem überlege ich noch eine Segelflugschleppberechtigung zu machen. In meinem Verein wäre Bedarf da und so könnte ich mich dort etwas mehr engagieren.

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