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Wir „bauen“ ein Haus aus Estland – Bauvoranfrage und Bauantrag

Eine Bauvoranfrage ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit um zu prüfen, ob prinzipiell eine Baugenehmigung erteilt werden würde. Bebauungspläne regeln wie in dem jeweiligen Stadtteil gebaut werden soll und Abweichungen davon sind zwar möglich aber nur mit erhöhtem Aufwand und dem Risiko, dass der Antrag abgelehnt wird. In einem Bebauungsplan werden so Sachen geregelt wie die Dachform, maximale Haushöhen, Gemeinsame Grundoptiken usw. Unser Flachdach war hier die größte Sorge weil die Dachneigung meistens festgeschrieben ist.

In unserer Straße gibt es keinen Bebauungsplan und damit wird sich idR. die Umgebung angeschaut um keine „Außreißer“ zu erzeugen. Es war also nicht ganz klar, ob die Sache mit dem Flachdach klar gehen würde.

Wir waren wahnsinnig aufgeregt was in der Bauvoranfrage stehen würde. Eine Ablehnung, eine Zusage, verrückte Auflagen?

Die Antwort vom Landratsamt war aber erstaunlich schlicht.

Lediglich eine Bedingung zum Hausabriss des alten Hauses. Durch die Waldnähe konnte man davon ausgehen, dass gebäudebrütende Vögel oder Fledermäuse geschützt werden müssten.

Es hat uns einige Telefonate gekostet herauszufinden, was das eigentlich bedeutet. Im Landratsamt gab es erstmal nur verbales Achselzucken bis wir zusammen mit den Mitarbeitern des Landratamtes herausgefunden haben, dass es dafür eigentlich gar keinen richtigen Prozess gibt. Es sollte eine „Fachlich kompetente Überprüfung stattfinden und ggbfs. Maßnahmen bestimmt werden“.

Mit etwas mehr Bohrerei im Landratsamt bekam ich irgendwann gesagt, dass der Landesbund Vogelkunde LBV und BUND Naturschutz doch bestimmt gute Ansprechpartner für sowas wären. Irgendwann hatten wir dann auch eine Telefonnummer von jemandem aus der Nähe, der sich gerne bereit erklärt hat eine Besichtigung Vorort zu machen und auch vor dem Abriss nochmal vorbei zu kommen. Ihm war das Vorgehen dann letztendlich bekannt. Das war beruhigend für uns.

Die Auflage war in gewisser Weise auch ein Schutz für uns. Hätte jemand behauptet er hätte jeden Abend Fledermäuse in das Dach fliegen sehen, hätten wir uns mit dem Abriss strafbar gemacht. So hatten wir die Sicherheit, dass jemand vom Fach grünes Licht gegeben hat.

Unser Architekt hatte schon eine recht umfangreiche Bauvoranfrage gestellt, sodass es nur noch wenige weitere Dokumente für den tatsächlichen Bauantrag brauchte. Dennoch zog sich diese Prozess wieder um viele Wochen und durch Corona tagte der Bauausschuss unserer Gemeinde auch nicht mehr ganz so häufig und gefühlt zog sich der ganze Bauantrag wie Kaugummi durch unsere Gemeinde und das Landratsamt.

Bauausschusssitzung Gemeinderat

Die Gemeinheit war in dem Moment, dass wir möglichst früh unsere Termine fix machen mussten weil unser Bauunternehmer für den Abriss und die Fundamente für das neue Haus natürlich auch planen musste. Die Spedition wollte ihre Termine fixieren und die Verkranungsfirma ebenfalls.

Wochen um Wochen gingen ins Land und immer schwang das Damoklesschwert über dem Bauprojekt, ob wir es noch im laufenden Kalenderjahr schaffen konnten weil der Winter natürlich die Arbeiten auf dem Grundstück komplett einstellen würde. Baumaschinen würden nicht mehr arbeiten können und im laufenden Prozess zwischen dem Entkernen vom Haus bis zum Aufstellen des neuen Hauses mussten wir natürlich auch übergangsweise wo anders unterkommen. Verschleppen wir hier etwas müssen wir nicht nur 2-3 Monate wo anders unterkommen sondern gleich über ein halbes Jahr.

Wochen um Wochen gingen ins Land….

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Ein Kommentar

  1. Lieben Dank für den Beitrag zum Thema Hausbau! Gut, dass ich nun die nähere Bedeutung und den Nutzen einer Bauvoranfrage kenne. Wir möchten mittel- bis langfristig auch ein Haus mit einem Flachdach bauen und wissen noch nicht, ob wir für das Vorhaben eine Baugenehmigung bekommen werden. Praktisch, dass sich das vorher schon prüfen lässt.

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