Zum Inhalt springen

Wir „bauen“ ein Haus aus Estland – Der Abriss des alten Hauses

Unser Wasser wird abgestellt.

Der Wasserwart unserer Gemeinde hat uns am Wasserschieber an der Straße die Wasserzuleitung abgedreht und die Wasseruhr im Keller auch gleich ausgebaut und mitgenommen. Sie wird für uns die nächsten Monate eingelagert und wir bekommen sie im neuen Haus wieder eingebaut weil die Eichung noch ein paar Jahre gültig ist. Wir sehen uns also wieder 🙂

Der Stromanschluss muss weg

Ohje, das Thema mit dem Strom macht mich immer noch fertig. Die Erfahrungen mit unserem Netzversorger werden evtl. noch einen ganz eigenen Blogartikel bekommen. Eigentlich hat in der kompletten Projektphase alles gut geklappt bis auf die Sache mit dem Strom.

Natürlich kann man kein Haus abreißen in dem noch ein stromführendes Kabel hängt. Entgegen meiner Vorstellung am Anfang kann man nicht einfach eine Sicherung in der Straße ziehen um ein Haus stromlos zu machen sondern das Kabel muss tatsächlich an der Grundstücksgrenze gekappt werden.

Wir hatten uns also beraten lassen mit der Erkenntnis, dass es nicht möglich ist das Stromkabel einfach um 6m auf dem Grundstück zu verlegen. Nein, es gibt diesen Prozess bei unserem Energieversorger nicht.

Stattdessen sieht der Ablauf so aus, dass man den Rückbau des Stromanschlusses beauftragt und eine Kabelbaufirma baut den Zähler aus und kappt das Kabel an der Grundstücksgrenze und wirft wieder Erde über das Loch.

Im zweiten Schritt beauftragt man eine Grundstücksneuerschließung und die gekappte Stelle wird wieder ausgebuddelt und eine Muffe wird angesetzt. Das Kabel wird dann zur neuen Position gelegt. Zwei Aufträge, die man auch nur nacheinander stellen kann. Jeder dieser Prozesse hat eine Vorlaufzeit von mehr als 7 Wochen. Kompletter Bullshit.

Der Rückbau kostet nur 1000€. Mehrere Leute, ein Bagger, Halber Tag Zeit.

Wenigstens hat die beauftragte Kabelbaufirma das Problem verstanden und war so nett uns das Kabel nicht zu kappen sondern auf unsere Kosten das Kabel zu „verlegen“. Natürlich bekommen wir die Aktion von Seiten des Energieversorgers nicht rabattiert obwohl die Kabelbaufirma als auch der Netzbetreiber damit deutlich weniger Aufwand hat. Zu dem Zeitpunkt wussten wir aber noch nicht, dass uns die „Grundstücksneuerschließung“ nochmal weitere 3500€ Extra kosten würde obwohl das Kabel schon genau da liegt wo es angeschlossen wird.

„Das Kabel liegt schon da“ gibt es nicht im Preisdatenblatt. Das sind gut bezahlte 45min Arbeit für den Elektriker gewesen, der uns das Kabel an der Zähleranschlussäule angesteckt hat.

Der Netzversorger berechnet nämlich immer den kompletten Neuanschluss, Loch buddeln, Leitung finden, Muffe drauf, 10m Kabelgraben, ob man das nun braucht oder nicht.

Die Hausentkernung

Eigentlich wollten wir den Hausabriss in fremde Hände geben und das Haus einfach nur „Besenrein“ abgeben aber ein gewisser Termindruck hatte uns dazu veranlasst unser altes Haus selbst zu entkernen. Einfacher gedacht als getan. Die Materialien müssen feinsäuberlich getrennt werden. In unserem Fall hauptsächlich Holz, Gipskartonplatten und Mineralwolle. Dadurch, dass das Holz im Haus unbehandelt war haben wir es einfach nur geschnitten und gestapelt für den Kamin. Mehrere Tonnen Rigipsplatten haben wir in vielen Fahrten mit einem Transporter zu einem Entsorgungsbetrieb gefahren. Die hässlichste Arbeit war aber das Entsorgen der Mineralwolle, die wir in großen KMW-Säcken zum Entsorger gefahren haben. Entsorgung ist eine unglaublich teure Angelegenheit. Beim Kauf von Mineralwolle sollte man einen Zettel in die Hand bekommen was es kostet genau diese Menge irgendwann zu entsorgen. Das Zeug würde keiner kaufen. Es gingen sicher 1500€ nur für die Entsorgung von einigen Säcken Mineralwolle drauf und das Haus war schlecht gedämmt und ziemlich klein.

Wir bekommen Kies

Die Auffahrt zu unserem Grunstück ist nur 2,80m breit und recht steil. Eigentlich zu steil, dass Baumschinen ordentlich hochfahren können, weshalb die Auffahrt gekiest wurde. Nur so hatten die Baumaschinen eine Chance genug Traktion zu bekommen um hinaufzufahren.

Das Dach kommt weg

Ein paar Tage vor dem Termin zum Hausabriss haben wir einen großen Container für die Dachziegel bekommen und wir dachten, da passen alle Ziegel mehrfach rein aber es war eine ziemlich knappe Sache, dass am Ende alles reingepasst hat. Die Arbeit war recht anstrengend weil sehr ermüdend. Den tausendsten Dachziegel merkt man dann irgendwann in der Hand, am Arm und überall.

Als wir das Dach dann am Ende komplett abgedeckt haben war es irgendwie „final“, dass es jetzt zu Ende geht mit dem alten Haus. Ganz traurig stand es da, vor dem Wald, ohne Fenster und nur noch die Dachbalken.

Der Hausabriss

An dem Tag als der Abriss angefangen hat war es tatsächlich etwas emotional für uns das Haus in dem wir über 10 Jahre gelebt haben nach und nach einstürzen zu sehen. Wie mit einer Pinzette wurde das Haus vom Baggerfahrer zerlegt. Auch hier wird wieder alles getrennt entsorgt. Holz in einen großen Container, Steine auf den LKW und immer wieder musste der Abriss unterbrochen werden um Kleinigkeiten, wie Metall händisch herauszunehmen.

Ich hatte vorher einmal erzählt, dass unser Haus auf einer Anhöhe steht und das war auch ein Problem für die LKW, die zum Teil nicht aus eigenem Antrieb zur Baustelle fahren konnten. Der Bagger musste entweder mit seiner Schaufel nachhelfen oder die LKW teilweise mit Abraum befüllen, dass diese durch das Mehrgewicht an Traktion gewinnen konnten um selbstständig zur Abrissstelle hinaufzufahren.

Nach nur zwei Tagen war auch der Keller entfernt und es wurde wieder Erde angefahren um die Grube zu verfüllen und das Material wurde Schicht für Schicht mit einer großen Rüttelmaschine verdichtet.

Gefällt dir der Beitrag?

Schreibe dich in den Newsletter ein und bekomme in unregelmäßigen Abständen zusammenfassende Newsletter mit den neuesten Beiträgen. Ich halte es minimalistisch. Versprochen.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*