Zum Inhalt springen

Flugvorbereitung

Wenn man die Piloten am Flugplatz sieht, wie sie Ihre Maschine aus der Halle holen, checken und einsteigen könnte man den Eindruck gewinnen, dass das Fliegen eine sehr spontane Sache ist.

Was man als außenstehender aber nicht sieht ist die Flugvorbereitung, die davor stattfindet. Ich will grob zusammenschreiben wie eine Flugbereitung anhand von einem Beispiel aussehen kann.

Es gibt viele situationsbedingte Überlegungen auf die ich nicht eingehen werde. Die Liste ist nicht vollständig und ersetzt auf keinen Fall eine echte Flugvorbereitung.

Wir haben uns überlegt am nächsten Tag einen Ausflug zu machen und zwar von Illertissen (EDMI) nach Nördlingen (EDNO) und wieder zurück.

Vorplanung Navigation

Wie eine Navigationsaufgabe im Detail abläuft habe ich hier bereits beschrieben. Für die Navigationsplanung sind die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit von Bedeutung. Je näher der Wetterbericht an dem Flugdatum liegt desto genauer ist er. Ich will meine Navigation mit möglichst aktuellen Wetterdaten planen. Das heißt ich bereite die Navigation bis zu dem Punkt vor wo der Wind mit ins Spiel kommt. Ein paar Stunden vor dem Flug vervollständige ich die Navigation, sobald ein aktueller Wetterbericht verfügbar ist.

Wetter – GAFOR

Deutschland ist ist meteorologisch ähnliche Gebiete unterteilt. Die sogenannten GAFOR (General Aviation Forecast) Gebiete. Das GAFOR ist eine Art Flugwetterprognose hinsichtlich der Bodensichtweite sowie der Wolkenuntergrenze. So bekommt man mit einem Blick einen Anhaltspunkt zur Flugwetterlage. Der GAFOR Wetterbericht gibt in 2h Schritten einen Anhaltspunkt zur Fliegbarkeit für den aktuellen Tag. Wenn das GAFOR Orange oder Rot ist, kann man sich die restliche Flugplanung eigentlich gleich sparen. Für uns relevant ist das GAFOR Gebiet 72 (Illertissen) sowie das GAFOR Gebiet 56 (Nördlingen). Wir sehen also, dass die Fliegbarkeit zwischen 16:00 Uhr bis 18:00 Uhr gegeben ist.

Wetterbericht

Den genaueren Wetterbericht stellt man sich aus mehreren Bereichen zusammen. Man schaut sich die Großwetterlage an wo man mit Hilfe von Satellitenbildern sowie einer Analyse der Druckgebiete ein grobes Bild der Wetterlage bilden kann. Hier sieht man auf einen Blick grobe Windrichtungen, Windgeschwindigkeiten, Fronten, Regengebiete, Bewölkungen usw.

Für die Navigationsaufgabe sind die Windgeschwindigkeiten von Bedeutung. Diese bekommen wir in schriftlicher Form als Teil der Flugwetterübersichten, die für Deutschland Süd, West, Ost, Mitte, Nord separat zur Verfügung gestellt werden. Für unseren Streckenabschnitt zwischen Illertissen (EDMI) und Nördlingen (EDNO) ist eine Flughöhe um 4000FT interessant und damit wissen wir auch, dass der Wind im Schnitt aus 85° mit 7kt kommen wird.

Streckenplanung

Für die Navigationsaufgabe habe ich bereits einen Strich zwischen den zwei Flugplätzen in die ICAO 1:500.000 Karte gezogen. Jetzt schreibe ich mir für den Flugdurchführungsplan alle terrestrischen und Flugrelevanten Punkte heraus.

Im ersten 1/3 des Streckenabschnitts werden wir uns größtenteils an den Wäldern orientieren. Direkt nach dem Start werden wir die Frequenz des Günzburger Flugplatzes rasten und versuchen herauszufinden, ob Fallschirmsprungbetrieb am Flugplatz stattfindet weil wir direkt durch die Sprungzone fliegen werden. Haben wir ein paar Minuten vor dem Durchflug noch nichts gehört fragen wir nach. Das Überfliegen der Autobahn A8, der Bahnlinie und der Donau sowie die Stadt Günzburg liefern markante Punkte. Nachdem der Kühlturm des Atomkraftwerks Gundremmingen auf unserer 3 Uhr Position ist haben wir wieder Wälder zur Orientierung bis wir den Meteoritenkrater des Nördlinger Rieß erreichen. Nördlingen ist unsere nächstgelegene Stadt an deren Ende (Nord-Östlich der Stadt) sich der Flugplatz mit seiner geteerten Piste befindet.

Für die terrestrische Navigation eignen sich Straßen, Städte, Gewässer, Wälder usw. Es macht keinen Sinn sich jede einzelne Landstraße herauszuschreiben die man überfliegt. Mir persönlich hilft es markante terrestrische Punkte herauszusuchen, die im 5-10min Flugabstand liegen. Ich schreibe also die markanten Punkte in den Flugdurchführungsplan und markiere mir die Punkte auf der Karte.

Relevante Punkte wie z.B. Lufträume, naheliegende Flugplätze, Hindernisse usw. trage ich zusammen mit den terrestrischen Punkten in chronologischer Reihenfolge in den Flugdurchführungsplan. Ich gleiche für den Streckenabschnitt die Funkfrequenzen der Flugplätze manuell über die Webseiten der Flugplätze ab weil im Jahr 2018 neue 8,33khz Funkfrequenzen vergeben wurden und es sein kann, dass diese noch nicht vollständig auf den ICAO Karten verzeichnet sind. Safety first.

Den Funkverkehr der naheliegenden Flugplätze höre ich auf der Flugstrecke mit um ein Bild von der dortigen Situation zu bekommen. Das hilft an- und Abfliegende Flugzeuge in der Luft besser lokalisieren zu können und zum Teil die Absichten (aktuelle oder spätere Flugrichtungen) zu verstehen. Außerdem liefern einige Flugplätze ein QNH (Luftdruckinformationen) um den Höhenmesser stets aktuell halten zu können.

VFR Anflugkarten

Die Anflugkarten aller beteiligten Flugplätze sind für die Flugplanung und Durchführung unerlässlich. Auf diesen Blättern sind alle notwendigen Informationen verzeichnet um auf diesem Platz landen, starten und navigieren zu können. Hier ist der Verlauf und die Höhe der Platzrunde eingezeichnet, die Rollwege, die Funkfrequenzen des Platzes, eine Karte des Platzes mit allen relevanten Orten: Tankstelle, Tower, Abstellplätze usw. Auch ist dort schriftlich festgehalten welche besondere Situationen der Platz im An-und Abflug sowie am Boden aufweist. z.B. Ortschaften, die nicht überflogen werden sollten. Bei einem kleinen Platz wie Nördlingen gibt es wenige Besonderheiten.

Sonnenaufgang/Sonnenuntergang

Für unseren Streckenabschnitt sind die Zeiten für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge nicht so wichtig weil wir in Nord/Süd Richtung fliegen. Würden wir abends von West nach Ost fliegen würden wir dem Sonnenuntergang entgegen fliegen. Wenn (zum aktuellen Datum) in Konstanz die Sonne untergeht ist dies in Illertissen schon vor 4 Minuten passiert und das bei einem Streckenabschnitt von nur 100km. Die Sonnenzeiten sind aber ein wichtiger Anhaltspunkt dafür wann wir definitiv zurück am Heimatflugplatz sein müssen.

Verfollständigen der Navigationsaufgabe

Wenn ein aktueller Wetterbericht vorliegt kann ich die vorbereitete Navigation vervollständigen. Ich versuche 3-4h vor dem Abflug mit dem aktuellen Wetterbericht zu arbeiten. Aus dem Wind ergibt sich für den Flug der notwendige Kurs, den man nach dem Start einnimmt. Auch die Geschwindigkeit über Grund steht jetzt fest. Wir kennen die Flugzeiten für den kompletten Streckenabschnitt. Auch können wir mit der Ground Speed die genauen Zeiten für unsere herausgeschriebenen Streckenabschnitte berechnen. Jede der Streckenabschnitte bekommt nun eine Zeitangabe verpasst. Das hilft im Flug die herausgeschriebenen terrestrischen Punkte zur richtigen Zeit zu erwarten.

Spritberechnung

Aus den Flugzeiten und dem Stundenverbrauch der Maschine ergibt sich die Spritmenge für die Strecke. Auf Basis dessen werden die Zuschläge errechnet: Rollzeiten, An/Abflugzeigen, Reservezeiten usw. Die Spritmenge wird vor dem Flug getankt.

NOTAMS checken

NOTAMS (Notes to Airmen) sammeln alle für Luftfahrer relevanten Informationen wie z.B. temporäre Gefahrenbereiche, allgemeine Änderungen von Regulierungen für bestimmte Bereiche, Funkfrequenzänderungen, die in der AIP noch nicht erfasst sind, defekte an Flugplätzen, errichtete Kräne usw.

Sich hier durchzuarbeiten dauert seine Zeit. Vor allem für mich, der viele Flugplatzkennungen noch nicht intuitiv kennt und oft nachschlagen muss für welchen Bereich die NOTAM jetzt gültig ist.

Persönliche Dokumente Checken

Das Medical, die Lizenz dürfen nicht abgelaufen sein und müssen dabei sein. Auch der Personalausweis, genügend Geld für die Lande/Abstellgebühren und Notfallsprit.

Flugtasche Packen

Headset(s) mit geladener Batterien, Sonnenbrille, ICAO Karten, die Flugplanungsdokumente, Fliegertaschenkalender, Navigationsbesteck, Flugbuch, Wasserflasche, Studentenfutter, Brillenputztücher usw.

Flugzeugdokumente Checken

Noch bevor das Flugzeug gecheckt wird müssen die Unterlagen geprüft werden. Ist das Bordbuch vorhanden und ohne Einträge technischer Defekte? Wie viele Stunden hat der Motor noch vor der nächsten Wartung? Ist der Versicherungsschein gültig? Ist die Funkurkunde vorhanden und gültig? Liegt ein Wägebericht vor? Ist die Jahresnachprüfung nicht abgelaufen und gültig? Ist der Eintragungsschein dabei?

Flugzeug Checken

Jedes Flugzeug wird nach seiner eigenen Klarliste vor dem Flug gecheckt. Die Prozedur steht im Bordbuch und dauert ca. 10-15min. Dabei wird z.B. der Propeller auf Beschädigungen hin untersucht, eventuell gesammeltes Kondenswasser im Sprit wird abgelassen, der Ölstand und das Kühlwasser wird geprüft, die komplette Außenhaut wird auf Beschädigungen hin untersucht, die Reifen, die Bremsbeläge, die Anlenkungen der Ruder, Steuerseile usw…

Flugzeug Tanken

Über die Spritberechnung kennt man die Mindestmenge an Sprit, die man dabei haben muss. Zum Tanken wird die Maschine an die Tankstelle geschoben, mit einem Erdungskabel verbunden und im Anschluss wie ein Auto betankt. Bei meiner Vereinsmaschine befinden sich die Tanks in den Tragflächen und müssen separat betankt werden.

Startcheck

Nachdem man den Motor auf eine Mindesttemperatur hat warmlaufen lassen rollt man die Maschine an den Rollhalt der Startbahn und checkt nach Klarliste die Magneten der zwei Zündkreise, die Funktion des Constant Speed Propeller, die Einstellungen der Instrumente, die Temperaturen, Klappen usw. Hier bringt auch jedes Flugzeug seine eigene Routine mit.

Wenn der Startcheck erfolgreich war kann der Flug endlich beginnen. Ihr seht also, dass Fliegen nicht nur einsteigen und loslegen ist sondern dass da zugunsten der Sicherheit einiges an Vorbereitung notwendig ist.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*